Freitag, 26.08.2011
UM/N/GEZOGEN
Samstag, 30.07.2011
Zypern: Geld, Macht und Rasse
Dass es so weit kommen wird, wussten wir alle es nicht schon seit Längerem? Xristofias hat seine Regierung aufgelöst. Zypern steht nun aber nicht in einer Art Hitzestarre deswegen. Ein neues Kabinet wird gebildet. Was ist geschehen?
Munition ist explodiert. Teile der zyprischen Bevölkerung ist am explodieren, auch deswegen und weil das Gefühl, nicht mehr so viel Geld in der Tasche zu haben wie einst ganz real um sich greift. Und wenn es ums Geld geht, dann ist auch auf der Insel der Spaß am Ende angelangt.
Inzwischen finde ich es mehr als nur ärgerlich, dass in der Nachrichtensammlung der PIO (Press Information Organization) Zyperns vom 29.07. 11 gar nichts zum Rücktritt der Regierung steht - zumindest nicht in der griechischen Ausgabe. Die englische Ausgabe, denke ich, wird dazu auch nichts drin haben, da sie meistens eine Zusammenfassung des griechischen Teils ist. Der Link des Newsletters, wo aus der Presse der türkischen Inselhälfte berichtet wird, dort wird das Thema indes angesprochen, und zwar in englischer Sprache.
Im griechischsprachigen Teil des Newsletters, also, ist die Rede, wie immer, von den Verhandlungen mit den Nordzyprern, und dass die türkische Seite am Stillstand derselben, versteht sich, schuld ist. Dass Frau x und Herr y an dem Treffen teilnahmen von der UN oder nicht, und man sich bei denen über die wenig kooperative Haltung der türkischen Zyprer, wie immer, beschwerte, steht dort. Dass so rein gar nichts zu der Regierungsneubildung in diesem Newsletter steht, bzw. dem Ende der Regierung, erinnert an das, was man früher aus dem Ostblock sich anhören durfte von Journalisten und anderen, die von dort Bericht erstatteten. Immerhin ist die Regierung am 27. oder 28 o7 aufgelöst worden und der Newsletter ist vom 29.
Und dass nach mehr als 40 Jahren an solchem Ort - dieser Newsletter wird vorwiegend für Journalisten ausgegeben - noch immer Beerdigungen von Männern, die 1974 beim Anrücken der türkischen Armee auf der Insel ihr Leben ließen, berichtet wird, grenzt, mit Verlaub, an Verarschung. Ich fühle mich da inzwischen verarscht, und entschuldige mich sogleich für meine Wortwahl.
Zum einen verhandelt man mit den zyprischen Türken, um angeblich eine Lösung der Zypernfrage heranzuführen und dann schreibt die Pressestelle des Staates, die derzeit noch unter 'kommunistischer Führung ist', im gleichen Diktus wie sie es auch unter der Papadopolous Regierung, dem politischen ultra Rechtsausleger einst tat. Was sollen diese andauernd stattfindenden Beerdigungen irgendwelcher Gefallener 1974 in mehr oder minder regelmäßigem Abstand? Und dann das Vokabular dabei im Gebrauch: "Held, der zu Grabe getragen wurde, Kämpfer für die Freiheit und Demokratie, unser Volk ist unsagbarem Schmerz ausgesetzt, der begangenen Verbrechen wegen, die gegen die Demokratie Zypern im Sommer 1974 begangen wurden, wie viel Zeit auch immer verstrichen ist, wir gedenken dem Gemetzel an uns in jenen Tagen, welches unser Vaterland in die Katastrophe führte" etc. Andernorts wird immer noch und andauernd von Scheinregierung oder selbsternannten Minister x oder y geschrieben im Newsletter und dass der Besuch Erdogans vor kurzem im Inselnorden gar illegal gewesen sei.
Bei dieser Rhetorik würde ich jedenfalls auch einen eher erhöhten Strompreis verlangen von den Südzyprern als Nordzyprer, wenn ich ihnen, so wie es gerade geschieht, mit Energie aushelfen soll. Auch dann, würde ich das tun, wenn ich weiß, von denen zuvor Strom mal sehr billig oder gar geschenkt bekommen zu haben. Denn bei solcher Rhetorik treibt es einem doch zu fragen: Wer hat damals denn das Gemetzel begonnen? Nach dem, was ich dazu erfahren durfte bislang, kommt einfach niemand daran herum zu sagen, es waren die aus dem Süden, die Griechischsprecher!!!
Wenn Nikosia sich dahin gehend öffnen könnte, genau das so frank und frei zuzugeben, wäre schon viel Schrott aus der Welt geschafft. Die Holzköpfe und Unverbesserlichen im Süden würden dann endlich mit Tatsachen sich auseinander zu setzen haben und fänden keine weiteren Schlupflöcher, in die sie sich verrennen können. Der Terrorakt in Norwegen ist es, der mich bewegt, zu diesem Thema klarer denn je Stellung zu beziehen. Weil es dämmert in den Köpfen vieler Südzyprer, habe ich den Eindruck, eine dem geistig verirrten Terroristen aus Norwegen nahestehende Gesinnung. Viele haben auch auf Zypern den Eindruck, dass die Überfremdung ihre Freiheit und westlichen Lebensstil beschränkt, ja, gefährdet und ihnen vor allem daher und wegen angesprochener Schuldfrage, Unrecht geschieht. Desweiteren denken viele, dass die Orthodoxie gefährdet ist und Muslime, Buddhisten und andere Religionen den reinen Hellenismus, der ja eigentlich eh wenig bis gar nichts mit dem Christentum am Hut hat, der in Zypern anscheinend bestehen soll, vollends beflecken. Dass diese Fremden auch noch Gelder erhalten bzw. verdienen und Positionen innehaben, die eigentlich den Einheimischen zustehen - wer auch immer das genau sein soll - , ist nicht erst seit Norwegen ein weiteres bekanntes Argument derartiger Gesinnung. Das in Trennzeichen Stehende im Satz zuvor wird nur zur Erinnerung für all diejenigen geschrieben, die von reinen Rassen und dergleichen gerne träumen, denn Zypern, wie auch Gegenden andernorts, z.B. Deutschland, waren und sind schon immer Ein- und Auswanderung verschiedenster Menschentypen ausgesetzt gewesen.
Und da wir gerade beim Thema sind, ein Beitrag aus dem Newsletter der PIO vom 29.07.11 (143/11/5):
"Tens of thousands of illegal settlers will be granted white and green “identity cards” by the breakaway regime
Under the title “White identity card to 40 thousand persons”, Turkish Cypriot daily Kibris (29.07.11) reports that Hasan Dede Tarhan, term president of the People’s Justice Council (HAK), which includes all the organizations of the Turkish settlers in the occupied area of Cyprus, has said that the number of the persons living illegally in the occupied area of the island is around 10 thousands. In statements to Kibris, Tarhan estimated that around 40 thousand persons will benefit from the white “identity card” which the breakaway regime plans to grant to the illegal settlers. He said that 13 thousand persons live in the occupied part of Cyprus with “work permit” and could take the “citizenship” of the breakaway regime, but the “citizenship” is to be granted to five thousand persons only. He noted that 1500 persons came to the island without having “work permit” and another six thousand workers could not renew their “permit” for various reasons.
Kibris reports that according to the “regulation” adopted the day before yesterday by the “council of ministers”, the white “identity cart” will be granted to persons who live in the occupied area of Cyprus for a continuous period of eight years with a “work permit”, or for a discontinuous period of twelve years with a “work permit” or for a period of fifteen years with or without a “work permit”. These persons could be granted the white “identity card”, if there is no problem in their personal record and they have not been convicted by any court.
The green “identity card” will be granted to persons who settle in the occupied area of Cyprus after they retire or persons who make big investments. According to the self-styled minister of finance Ersin Tatar, any businessman who invests more than 500 thousand US dollars will be granted green “identity card”.
Bertan Zaroglu, chairman of the “association” of the settlers from Alexandretta, told Kibris that the most illegal workers in the occupied area of Cyprus come from Alexandretta. He noted that many persons will benefit from the amnesty which will be given by the “government”.
Mehmet Ali Bebek, chairman of the “association” of the “Antakya Civilizations”, said that the number of the illegal persons from Alexandretta who will benefit from this amnesty is around five thousands.
Mehmet Ayar, chairman of the “culture and solidarity association” of the settlers from Gaziantep said that 90% of their members have become “citizens” of the regime and argued that the number of the illegal persons from Gaziantep in the occupied area of Cyprus does not exceed 100.
Turan Buyukyilmaz, chairman of the “cultural association” of the settlers from the Black Sea area, said that two thousand persons from the Black Sea area will benefit from this amnesty.
Ismet Ilkan, chairman of the “cultural association” of the settlers from eastern and southeastern Turkey, said he does not know the number of the illegal workers from their area, but only in occupied Karpass peninsula 300 persons could benefit from this amnesty.
...
Finally, under the title “Citizenship step by step”, Turkish Cypriot daily Afrika (29.07.11) reports that the process of granting the “citizenship” of the regime to all the settlers living in the occupied area of the island started after Turkish Prime Minister Erdogan’s illegal visit to Cyprus. Those who are granted white and green “identity card” will not be able to become “citizens” of the regime for the time being, but they will have the right of permanently living in the occupied part of Cyrus, writes the paper."
(sollte es nicht möglich sein, einen Kommentar zu hinterlassen, dann liegt das daran, denke ich, das Teile des Postings auf Englisch sind. Beschwerden bitte an Blogg.de richten)
Donnerstag, 28.07.2011
Zypern - Ancient Greek Drama
Bob de Walt, mit seinen Eindrücken zum Festival der altgriechischen Dramen auf Zypern.
"Das Internationale Festival hat/te auch dieses Jahr wieder viele Besucher
angelockt. Das Programm ist viel versprechend, die Aufführungen finden in den
Amphitheatern von Paphos, Kourion (restaurierte Stadien aus der Römerzeit) und
in Nicosia statt. Nicht alle Aufführungen konnte und werde ich besuchen -
Urlaub steht bevor.
Interessant ist festzustellen, dass das griechische Drama in den
verschiedenen europäischen Ländern verschieden interpretiert wird, oder besser
gesagt, wie zeitgemäße Regisseure glauben, sie müssten die Werke dem Zuschauer näherbringen.
Ich spreche hier von Werken des Euripides, Sophocles und Aischylos, die dieses
Jahr aufgeführt werden.
„Die Bluthunde“ (Sophocles)
wurde von der „Cultural Society Anagnosis“ aus Griechenland dargeboten. Das
Stück basiert auf wenigen Bruchstücken, die von diesem Werk gefunden wurden.
Dennoch wurden sie zu eindrücklichen, dramatischen Szenen zusammengestellt. Ins
Gedächtnis rufen mag ich hier die Spürhunde auf der Fährte des Diebes der
Rinderherde Apollos, den Gott des Lichtes Satyrn, die Göttin Kyllene, sowie
Hermes als Jüngling, der ja bekanntlich die Rinderherde von Apollo stiehlt,
sich aber gekonnt mit seinen Liedern auf der von ihm gebauten Lyra aus dem
Schlamassel, den er angestellt hat, herausspielt singend. Versteht sich, es
kommt zu einem Happy End, wo doch die beiden Protagonisten erkennen, dass sie
eigentlich Brüder sind und Kinder des Zeus. Eine sprühende vife und lustvoll gespielte
Komödie, die musikalisch recht wirkungsvoll untermalt wurde. Eine wunderbare
Aufführung in einer lauen Sommernacht.
„Der gefesselte
Prometheus“ (Aischylos) war das Stück der „José Besprosvany Company“
aus Belgien in französischer Sprache. Für die Schauspieler ein ganz großes Bravo!
Weniger geschätzt habe ich die Regie. Könnte mich täuschen, doch mir schien als
eignete sich die französische Sprache wenig für das dramatische Geschehen einer
griechischen Tragödie. Mit geschlossenen Augen hätte man gewiss gedacht, auf
der Bühne werde „Racine“ gespielt. Leider nuschelte der Hauptdarsteller so sehr,
sprach irgendwie meistens in Richtung
Boden vor sich, dass die gute Akustik des Amphitheaters versagte, und der Text
kaum hörbar wurde. Untermalt war das Ganze mit Rap Musik, zu der auch getanzt
wurde. Eine großartige Leistung des Schauspielers, doch derartige Passagen
ausgerechnet in einer griechischen Tragödie?
Wer kennt nicht die guten und schlechten Inszenierungen von Sophocles’s „Antigone“. Zahlreich sind diese. Es ist wohl für uns
moderne Menschen das Paradestück des griechischen Theaters. Eine dieser Fassung
war in diesem Festival also zu sehen. Die englische „Theatre Lab Company“
spielte dieses Drama in einer ausgezeichneten Interpretation. Diese
Theatergruppe wurde 1998 in London von griechisch stämmigen Theaterleuten
gegründet. Deren Namen legen davon noch immer Zeugnis ab. So auch die Musik:
Trommel, Pfeifen, Dudelsack und Zupfinstrument. Gesagt kann werden, das Stück
war dann doch nicht so urgriechisch, wie von mir beim Anblick der Namen der
Künstler erhofft wurde (einige Texte
wurden in Griechisch gesprochen). Mir hatte das eher einen starken shakespeareschen
Einschlag, besonders jener König Kreon (Ryan Hurst). Was nämlich öfters bei
englischen Schauspielerinnen festgestellt werden kann, war auch diesmal
gegeben, dass die Stimmen eher auf dem höheren Register liegen. Das steht
bekanntlich im Gegensatz zu der eher dunkel gefärbten Stimme im griechischen
Drama. Ich fand, dass dieser Vortrag sich nicht sonderlich gut dem Publikum
vermittelte. Doch hervorgehoben muss werden, dass die Leistung aller
Beteiligten erstklassig war - eindrücklich, intensiv und bezwingend.
Viele Politiker, Wirtschafts- und Finanzmanager könnten vom despotischen
Herrscher Kreon lernen. Entscheidungen, die zu spät gefällt werden, führen über
ihren Herrschaftsbereich hinaus in den Abgrund, ins
menschliche Verderben und Elend. Doch lernen die etwas daraus?"
Freitag, 08.07.2011
Lambrou's Tanzeleven - Limassol
In Limassol ist scheinbar das Tanzfieber ausgebrochen. Ganz unerwartet kommt es zwar nicht zustande, denn Vorführungen der Eleven des Tanzzentrums der Stadt Limassol finden ja jedes Jahr Anfang Juli statt. Das war nun das 4. Mal, dass das passierte.
Gegründet wurde diese Ballettschule von Lambros Lambrou. Seit über 30 Jahren choreographiert dieser Mann. Bislang tat er das insbesondere in den USA, Kanada, Australien und auf europäischen Bühnen. Er hat sich einen Namen gemacht, was ihm ermöglicht, stets führende Startänzer für eine Einlage einladen zu können. Letztes Jahr zum Beispiel wurde Limassol von einem Paar aus dem Royal Ballet Covent Garden beehrt, dieses Jahr waren es Arika Togawa und Maximilian Genov von der Semperoper in Dresden.
Togawa und Genov tanzten ein Pas-de-deux aus Coppelia in einer modernen Choreographie (William Forsythe). Die Musik dazu war von Thom Willems. Über die Güte der Musik mag ich mich nun nicht auslassen, da gebe ich besser keinen Kommentar zu ab, zumal die beiden Semperoperstars uns reichlich entlohnten. Sie waren, mit einem Wort: großartig!
Was Herr Lambrou mit seinen Eleven auf die Bühne brachte, war unerwartet gut, hätte ich nicht gedacht, dass so etwas in Zypern möglich ist - erfreulich, erfreulich. Wir wurden hochkonzentrierter Disziplin der Eleven gewahr, die in allen Jahrgängen sichtbar vorherrschte. Die jungen Mädchen und Burschen (bis 11 Jahre) versprühten so viel Begeisterung, dass die minimalen Fauxpas keine Rolle mehr spielten. Bei den älteren Tänzern aus dieser limassolschen Eigenzucht war nicht nur Begeisterung im Spiel, sondern wirklich bereits profundes Können im Tanz am Werk. Mit Sicherheit werden sich einige entscheiden, denke ich, zukünftig das Ballett professionell aufzunehmen. Man kann nur hoffen, dass der eine oder die andere Förderer finden wird, die ermöglichen, sich auf einer europäischen oder russischen „Ballettschmiede“ einzuschreiben, was diese Eleven, so wie wir sie heute erleben durften, sicher mit Erfolg abschließen würden.
Die getanzten Stücke waren klassische, auch Jazzklänge und moderne Musik kamen vor, so dass sich die Eleven in nahezu allen Stilrichtungen profilieren konnten. Ein sehr gelungener Abend.
Bob de Walt
Montag, 04.07.2011
Tanz vom Besten, und das auf Zypern!
Die Überschrift hätte ich
gern positiv verstanden, werte Leser, denn dieses Mal wird der Beitrag ein überwiegend
positiver, im Gegensatz zum vorhergehenden (siehe Posting davor). Die
Überschrift hätte auch schlicht und einfach lauten können: „Endlich!“
Tanz und Oper gibt es also
derzeit in Limassol, Paphos und Larnaka und zwar vom 24. Juni bis Ende Juli
2011. Die Veranstaltungs-Örtlichkeiten in diesen Städten erlauben Freiluftaufführungen durchzuführen, und
zwar in renovierten Amphitheatern.
Den Eröffnungstanz, wenn
ich so sagen darf, gab das Ballet des Mariinsky Theaters aus St. Petersburg (das
einstige Bolshoi Ballet). Und das, was der Name der Balletschule verspricht,
wurde auch gehalten – Tanz in höchster Vollendung.
Das Programm des ersten
Abends war sehr klug zusammengestellt. Es beinhaltete klassische wie auch moderne
Stücke. Das erste war die „Chopiniana“ mit Musik von Frédéric Chopin (Walzer,
Mazurka). Choreographiert war es von Michel Fokine (1908) worden. Wie zu
erfahren war, stammt die getanzte Version aus dem Jahre 1931, die bekanntlich von
Agrippina Vaganova revidiert worden war.
Diese Tanz-Darbietung,
die hier auf Zypern zu sehen war, war in sozusagen ur-russischer Tradition
getanzt worden, und das bedeutet genauer: fast ausschließlich auf der Spitze bewegten
sich die Solistinnen - wie beim Corps. Wunderschön erhabene Bilder, die sie
derart kreierten, formten scheinbar in sich fließende und auseinander gehende
Formationen, und das gehüllt in schneeweißen Tüll. Die Funktion des einzigen männlichen
Tänzers auf der Bühne beschränkte sich nahezu darauf, die Tänzerinnen bei ihrem
grazilen Tanz gelegentlich zu stützen, bzw. sie hoch zu stemmen, was
bekanntlich ebenfalls ur-russischer Tradition entstammt.
Das zweite Stück mit dem Namen
„Simple Things“, Musik von Arvo Pärt (Estone) , welches von Emil Faski choreographiert worden ist,
wurde von zwei Tänzerinnen und sechs Tänzern dargeboten. Die Tanzenden setzten tanzend den Kampf gegen das allgemeine Chaos und die Verstricktheit des
Selbst darin interessant ins Szene. Eine wirklich großartige Leistung wurde uns
da geboten, zwar modern, doch blieb dennoch ersichtlich, dass die ausgeführten
Bewegungen der Tänzer ihre Existenz und Ausdruck ziemlich sicher dem
klassischen Ballett schuldeten – es grenzte an Vollendung und war nicht schon
wieder, mit Verlaub, ‚Bodenaufwischen‘.
Den Abschluss schließlich
bildete ein (drittes) Kurzballett, das zur „Carmen Suite“ mit der Musik von
Georges Bizet mit Zusatzbildern von Rodion Shchedrin den Abend mit Bravur
abrundete. Die Choreographie hatte Alberto Alonso zu verantworten. Interessant
an diesem Choreographen ist, dass er gemeinsam mit seiner Ehefrau,
Primaballerina Alicia Alonso, in den Vierziger- Fünfziger- und Sechzigerjahren
des letzten Jahrhunderts das geradezu legendäre Ballettduo Kuba’s waren.
Bei
dieser Aufführung hier auf Zypern tanzte Irina Golub die laszive Carmen, dies
allerdings mit einer Intensität und feurigen Ausstrahlung, dass, wie soll ich
sagen, eine gewisse feministische Attitüde, die da von ihr Ausging, sich direkt
unter die Haut des Betrachters begab, diesen entsprechend und unumwunden aufwühlte.
Unterstützt wurde sie von einem Tanzpartner, der auf seine Art ebenso intensiv rüberkam, wie
man neuerdings auf Neudeutsch sagt. Der frenetische Applaus der Zuschauerschaft blieb zwar aus, doch
für zyprische Verhältnisse war derselbe wahrscheinlich angemessen. Ich denke,
ein Publikum in Mailand, Wien, Berlin, Paris oder Zürich wäre nach einer derart
brillanten Aufführung in tosenden Beifall ausgebrochen.
Bob de Walt
Sonntag, 03.07.2011
Europäische Tanzfestival - Limassol
Das Tanzfestival von Limassol ist nun zu Ende. Ich habe nicht alle Vorstellungen besucht und kann das Festival daher lediglich auszugsweise kommentieren.
Der schweizerische Beitrag wurde ja bereits von mir kommentiert, und denjenigen der Österreicher kann ich ohne Schuldgefühl auf der Seite lassen. Babette hat am 15. Juni in ihrem Blog geschrieben, was ich im Grunde genommen dazu zu sagen gehabt hätte.
Die letzte Veranstaltung, die ich im Rahmen des Tanzfestivals besuchte, war der Beitrag der Deutschen. Walter Bickmann aus Berlin, assistiert von Lydia Klement, hat das Stück choreographiert, welches den Namen „Icon“ trug. Mit Verlaub, ich interpretiere das Dargbebotene so, dass das Wort "icon" für das Stück offenbar nichts mit einer orthodoxen Glaubensrichtung oder so zu tun hat, sondern eher aus der Welt der Computersprache zu stammen scheint, was die etworfenen Bilder, siehe auch das Programmheft, bestätigten.
Der Tanz der Deutschen Tanztruppe war mit einer Videoprojektion hinterlegt, allerdings Musik dazu gab es erstaunlicher Weise keine. Zu hören waren anstatt Geräusche, eher fürs Ohr unangenehme Klänge, was meine Phantasie, wie ich hörte auch die anderer, depressive Dinge, an Lebenstragödie etc. denken ließ. Einige der aufgeführten Tanzbilder kamen mir vor wie Gymnastik vielleicht die von Turnvater Jahn aus Berlin Neukölln von einst, durchaus mit höchster Intensität und Körperbeherrschung dargeboten, das schon. Ja, es reißt mich nun doch dazu hin, von hervorragendem Bodenturnen zu schreiben, anstatt von Tanz oder dergleichem. Ich dachte mir: Versteht sich, der Moderne, oder wem auch immer, mag das, was da dargeboten wurde, geschuldet sein, insbesondere dann durchliefen mich an jenem Abend solche Gedanken, als urplötzlich epileptische Zuckungen der vermeintlich Tanzenden zu sehen waren - ich tippte intuitiv auf Traumabewältigung, die da vonstatten ging, vielleicht auch traumatische Angst davor, wer weiß, schlichtweg als Tänzer oder Tanzender erkannt zu werden.
Und dann das gleichzeitig gezeigte Video dazu im Hintergrund! Es lief in drei Variationen müssen Sie wissen, zum einen so, dass die Tänzer in weißer Unterwäsche auf Stühlen sitzend gesehen werden konnten, während die anderen auf der Bühne standen, lagen und/oder sich reckten, gekleidet in schwarz zum 'geistreichen' Kontrast.
Irritierend und schlichtweg nicht machbar an der ganzen Sache für mich war, das derart Dargebotene auf 2 Ebenen gleichzeitig betrachten zu können - resp. die beiden Ebenen inhaltlich miteinander zu verbinden, das ging bei mir leider fehl.
Ein älterer Besucher, mit dem ich darüber sprach, meinte, dieses Stück sei für "die junge Generation" geschrieben worden, die diese Art der Kommunikation auf verschiedenen Ebenen alltäglich in elektronischen Welten erlebe.
Dass es auch anders geht, dazu mehr im nächsten Beitrag!
Bob de Walt
Das Tanzfestival in Limassol
Freitag, 24.06.2011
Justiz-Politisches Karussell Türkei!
Dass der Wahlsieger Tayyip Erdogan sich für diejenigen gefaelligst endlich ins Zeug legt, die wie er vor kurzem zwar gewaehlt wurden, aber per Gerichtsbeschluss nicht im Parlament sitzen sollen, wird immer lauter gefordert, angemahnt.
Bekanntlich kann Tayyip Erdogan die juristrische Sachlage biegen, wie er und seine Kreise es ja bereits im Jahr 2002 in eigener Sache bewerkstelligen konnten. Die Türkei ist ein Rechtsstaat, einer, der mindestens ebenso elastisch beim Auslegen von Gesetzen verfaehrt und verfahren kann wie manch anderer - siehe z.B. manchen Mitgliedsstaat der EU.
Dass die Kurden ihre Volksvertreter des Gerichtsbeschlusses wegen nicht antreten lassen (ınsgesamt 36), sie parlamentarisch zu vertreten, scheint beschlossene Sache geworden zu sein. Sie fordern, dass Herr Dicle umgehend als Parlamentarier zu bestaetigen ist.
Und dabei sah doch bis vor Kurzem noch alles so rosig aus für die Türkei: Türkei als regionale Grösse aehnlich wie Israel, Iran oder Aegypten, Türkei im ökonomischen Aufwind, Türkei jung und dynamisch, türkischer Wissenschaftler entdeckt dies und das - und jetzt Das!
Die Hohe Wahlkomission (YSK) riskiert mit ihrem Entscheid den Eklat? Ich finde, eingeweihte Kreise haben genau mit so etwas von denen zu so einem exponenten Zeitpunkt gerechnet. Man kennt sich ja schliesslich, und auf die von der YSK und anderen gleichen Kalibers bei Justizia ist daher Verlass. Am Rande sei bemerkt, dass zwei Vertretern des anderen politischen Spektrums (MHP) bislang der Zugang verwehrt wurde ins Parlament, wie gerade durch die türkische Presse rieselt: Balbay heisst der Bekanntere von beiden, der in Sachen Ergenekon und als Journalist der Cumhurriyet Tageszeitung von sich Reden macht.
Doch wollen wir den Dingen mal gewogen entgegen sehen und davon ausgehen, dass diese eventuell klug eingefaedelte Sachlage dazu führt, dass weitere vergreiste Holzköpfe des einstigen starren kemalistischen System Türkei sich nun doch früher und anders als geplant dem Lauf der Zeit werden stellen müssen, mit einem derartigen Entschluss gestellt haben - Justizia gehört dringend ausgemistet!
Hilfreich scheint zu sein, dass Tayyip Erdogan des Wahlergebnisses wegen Haenderingend nach einer Formel gesucht haben dürfte, sich dem Unmöglichen anzunaehern: mit den Kurden in ein und demselben politischen Bett zu kuscheln. Erdogan ist daher gut beraten, genau dahingehend seinen Einfluss einzubringen, wo doch jeder weiss, dass mit der Rechten oder gar den Sozialdemokraten eigentlich nichts wirklich bewegt werden kann als Koaslitionspartner. Und das, was es nun dringlicher als vielleicht jemals zuvor zu bewegen gilt, ist eben die Kurdenfrage im Lande und darueber hinaus. Wie bitte sehr sonst kann sich Erdogan international überzeugend als Broker in der palaestinensischen Sache profilieren - die Türkei hat als Broker grünes Licht kürzlich von den Palaestinensern erhalten -, wenn man im eigenen Land eine Minderheit partiell unterdrückt, die so klein von der Anzahl her eigentlich gar nicht ist.
Ja, und da waere dann noch die Frage Damaskus. Hier koennte Erdogan vereint mit den Kurden im Boot endlich innen und aussenpolitisch Muskeln zeigen und das auch noch mit der Zustimmung und dem Wohlwollen der wahrscheinlich meisten Beteiligten, die für die Türkei vorerst von wichtigerer Wichtigkeit sind, wie die EU, USA, Indien, Brasilien, vielleicht auch bald China. So ganz nebenbei in diesem Prozess könnte die Türkei Nordzypern als eigenstaendigen Teil in ein geeintes Zypern entlassen - was die ziemlich politisch tapsig handelnden Südzyprer als Chance nicht schon wieder in den historischen Müllbehaelter kicken sollten, weil wer weiss, was da sonst noch auf die, mit Verlaub, leicht realitaetsfernen Insulaner zukommen könnte: ökonomisch, politisch und sozial!
Alles was diesem hier entworfenen Szenarium in der anstehenden Realitaet nicht entspricht, wünsche ich, dass es noch rosiger sich zu auszuformen weiss - ich bin naemlich müde von Nachrichten über Mord und Totschlag des Alles um nahezu Nichts wegen!!!!
Donnerstag, 09.06.2011
Das Europäische Tanzfestival von Lemesos
Den Auftakt machte der Schweizer Beitrag der Compagnie Linga aus Lausanne mit ihrem Stück „no.thing“. Für die Choreographie zeichneten Katarzyna Gdaniec und Marco Cantalupo. Die wirklich schreckliche Musik schrieb Hildur Gudnadottir, Licht und Design war von Bert De Raeymaecker. Verschiedene Sponsoren ermöglichten auch dieses Jahr wieder die Teilnahme einer Tanzgruppe, wobei federführend die Kulturstiftung „Pro Helvetia“ für die Schweizer, wie gehabt, in Erscheinung tritt.
Das Tanzstück der Schweizer war international besetzt: 3 Tänzerinnen und 3 Tänzer. Zugegebenermaßen war ihr Tanz recht ausdrucksvoll, viel Bewegung, ja beinahe schon hektisches Zucken. Obgleich die Musik schrecklich eintönig war, im Stile von Frip & Eno, allerdings noch nervenzermürbender, waren dem Zuschauer dennoch einige emotionale Momente gegönnt worden, die so eine Art Sinn zu haben schienen. Die Message insgesamt des wohl modern inszenierten Stückes hat sich meiner Kenntnis allerdings entzogen.
Es ist nun bereits das 2. Jahr in Folge, dass die Schweizer Beiträge so super-ober-modernistisch tun, dass man sich langsam fragt, ob die Schweizer geradezu zwanghaft glauben, so eine Art Avantgard auf die Bretter der Welt zaubern zu müssen - koste es was es wolle und sei es die Langeweile derer, die dafür oder dazu auch noch applaudieren dürfen-sollen.
Ich hoffe, dass demnächst die Österreicher, die ich mir vorgenommen habe zu besuchen, mich nicht gelangweilt und innerlich etwas erbost nach Hause schicken werden.
Bob de Walt
Dienstag, 07.06.2011
Das 11th International Pharos Chamber Music Festival - Zypern
Vom Programm her war es, wenn ich so sagen darf, das Gängige: Beethoven, Mozart,
Haydn, Schubert, Brahms, außer den Außenseitern Ernest Chausson, Gabriel Fauré und
Anton Arensky, wie auch, finde ich, das Piano Quintett in F Dur von César Franck
und Lieder von Sergei Rachmaninoff.
Fast obligatorisch an einem solchen Festival wie diesem scheint zu sein, dass
mindestens ein Stück von Chopin auf dem Plan steht. Das Piano Trio in G Dur, Op. 8
wurde allerdings wirklich brillant dargeboten.
Auf das Programm im Einzelnen mag ich hier nicht weiter eingehen, und erlaube mir,
auf die schon seit einigen Jahren immer wieder zu diesem oder anderen Events des
Pharos Trust bemühten selben Künstler auch nicht detaillierter zu sprechen zu
kommen.
Zum ersten Mal zeigte in Kouklia ein Schweizer Flötist (1. Flötist an der Berliner
Philharmonie), Emmanuel Pahud, sein meisterhaftes Können, welch Fingerfertigkeit,
die da geboten wurde, und dies aus unterschiedlichen Flötenkonzerten. Kein Wunder,
dass dieser vielleicht vierzigjährige Künstler ein gefragter Solist bei den
bekanntesten Orchestern und Kammermusikensembles weltweit ist. Ebenfalls zum ersten
Mal stand ein israelischer Bratschist, Amihai Grosz, auf der Bühne in Kouklia,
diesem historischen und recht romantischen Ort. Amihai Grosz's sonorer und sicherer
Strich übers Instrument, seine augenfällige Musikalität im allgemeinen bestach
auch an diesem Abend und hat ihm, wie zu lesen war, bereits einige Preise beschert.
Er scheint mit vielen namhaften Orchestern, egal wo auf der Welt, zu spielen.
Dass die Künstler international tätig sind und einen gewissen dabei Erfolg zu
verbuchen haben, wird hier nicht bestritten. Man mag es mir indes verzeihen, wenn
ich es etwas belustigend finde, wenn diese Musiker mit ihren wirklich gut
dargebotenen Musikbeiträgen im Rahmen eines so genannten Internationalen Festivals
angepriesen werden - weil zum einen, der Großteil 'lediglich' bei den Berliner
Philharmonikern fest angestellt spielt, und zum anderen einige einfach immer wieder
auftreten, als gäbe es nirgendswo anders talentierte, gute Musiker.
So gediegen die renovierte, kleine gotische Halle von Kouklia ist, ist sie dennoch,
meiner Meinung nach, nicht ausreichend genug geeignet für ein internationales
Publikum, welches ein Internationales Festival besuchen soll. Die mit Stoff
überzogenen Plastikstühle, auf denen man in allen Reihen ebenerdig sitzt, dicht an
dicht, werden dadurch nicht komfortabler, spätestens ihr Quietschgeräusch auf dem
steinigen Boden verrät sie, wenn man Pech hat zur Unzeit, nämlich während gespielt
wird - was leider unweigerlich vorkam, immer wieder und das war dann doch eher
störend. Der kleine Eingang zur Konzerthalle, wenn man dazu mal so sagen darf, der
für die Besucher sowie für die Künstler zu nehmen ist, lässt bei einem Notfall kein
schnelles Evakuieren zu - es gibt also keinen seperaten Bühneneingang, geschweige
denn einen Notausgang. Ferner erfordert der Zugang zu diesem Eingang, dass über 10
Steinstufen oder mehr zu steigen ist, die schlecht beleuchtet sind - und mit den
vielen Leuten vor oder nach den Konzerten für gehbehinderte Menschen schlicht ein
Horror sein dürften. Leute mit Rollstuhl brauchen sich erst gar nicht auf den Weg
nach Kouklia zu machen - leider! Der recht nette Innenhof ist eigentlich geeignet,
den Besuchern einen gediegenen Rahmen zu bieten, wo an hübsch gedeckten Tischen,
Kleinigkeiten vor dem Konzert oder in der Pause angeboten werden könnten. Doch für
die Pause oder für vor dem Konzert stehen lediglich ein paar wenige Stehtischchen
zur Verfügung. Verkauft wird Wasser und Wein in Plastikfläschchen, Säfte in kleiner
Verpackung aus Pappe, kein Happen zu essen weit und breit, wo ich oder andere, wie
ich vernahm, das sich selbst streng verpasste Verbot herumzunaschen, gern mal wieder
brechen würden wollen.
"International Festival!", wie Herr CARO, der Veranstalter wissen lässt? Vielleicht
wirklich für die Bauern der Region, mit Verlaub. Ganz und gar unpassend fand ich in diesem Zusammenhang,
dass die Zuschauerschaft dazu aufgefordert wurde vor dem ersten Konzert, wie dann
auch wieder an der Abschlussveranstaltung, an die Tourismusorganisation Zyperns
Beschwerden zu schreiben, da diese Institution dem Pharos Trust ihre finanzielle
Unterstützung nicht gewährt habe. Wer so ein Schreiben nachweislich aufgesetzt
habe, müsse lediglich einen Ausdruck dieser Email vorlegen und bekäme dann eine CD
der Vortragenden dieses Events "for free!"
Der Abschluss, wie auch der Beginn dieser Serie von Kammermusikabenden, fand also
in Nikosia statt. Der französische Pianist Philippe Cassard, ebenfalls ein
international tätiger Musiker höchster Virtuosität, beendete das Festival mit
Werken von Schubert, Brahms, Debussy und Liszt. Meines Erachtens hätten die Stücke
die Cassard vortrug, durch einige weniger ohrenschädigend laute Stücke aufgelockert
gehört, zumal man sich schließlich in der recht privaten Salonatmosphäre der so
genannten Shoefactory befand, wo Herr CARO, wie man hört, zuweilen auch zu wohnen
geruht. Cassard hatte nahezu ausschließlich (Ausnahme war eine Sektion eines Stücks
von Debussy) sehr starke Werke gewählt, die er ziemlich aggressiv intonierte, was
ich persönlich sehr schade fand.
Es bleibt zu hoffen, dass wir in einem Jahr das 12. Festival erleben können,
dann bitte gern anders und irgendwie frischer organisiert! Herrn Caro gebe ich
den freundschaftlich gemeinten Rat, um sich vielleicht ein-zwei weitere Entscheidungsträger(innen) zu
gruppieren, die im Fall des Falles, wenn ich so sagen darf, seinen Entscheid
überstimmen können - gern von ihm möglichst unabhängige, versteht sich versierte, Frauen!
Bob de Walt
Mittwoch, 11.05.2011
11. Internationales Kammermusik Festival Zypern
The 11th International Pharos Chamber Music Festival
Vor einem Jahr hätte niemand mehr daran geglaubt, dass nach zehn erfolgreichen Jahren dieses Festival weiterhin organisiert werden könnte. Die Sponsoren hatten in der Finanzkrise andere Sorgen, als die Kunst, in dem Fall Klassische Musik, zu unterstützen. Das Wunder geschah, doch wahrscheinlicher ist, dass die Überredungskünste der Verantwortlichen der Pharos Arts Foundation überzeugend waren - eins von beiden, denk ich.
Das Anfangs- und das Schlusskonzert finden also in Nikosia statt, fünf weitere Konzerte im Royal Manor House, Kouklia, welches kaum 20 km von Pafos entfernt gelegen ist. Vom einst wichtigsten Aphroditen-‚Heiligtum‘ ist dort weit und breit eher wenig übrig geblieben; das dazugehörige weite Ausgrabungsgelände kann aber besichtigt werden. Was hingegen gut restauriert ist und recht ansehnlich ist, ist das von den Lusignans im 12. Jahrhundert erstellte Gebäude, eben das so genannte Manor House, welches heutzutage als Konzertsaal dient, und dies hervorragend.
Das Eröffnungskonzert fand bereits vor einigen Tagen statt. Der noch nicht vierzigjährige finnische Pianist Paavali Jumppanen, der international gut vernetzt zu sein scheint, in ganz Europa wie auch in den USA anscheinend Triumphe feiert, spielte die drei letzten Beethoven Sonaten mit bewundernswerter Eloquenz. Mit wenig Worten erklärte er vorher seine Auswahl der Stücke, die er zu spielen beabsichtigte. Er sprach davon, dass für ihn Beethoven der Komponist sei, der aus der vollen menschlichen Gefühlswelt seine Inspirationen geholt habe und diese auf die eindrücklichste Art und Weise zu instrumentalisieren verstand. Beethoven, ließ er des weiteren wissen, habe sich Ende des 18. Jahrhunderts der Wiener Klassik genähert, allerdings mit gespaltenen Gefühlen. Jumppanens enorme Virtuosität half gewiss, die aufwühlenden, ja, dramatischen Passagen eindrücklich der Tastatur abzuverlangen, um diese sodann abwechselnd mit zarten und beinahe romantischen Tönen zu verschmelzen. Der „Boston Globe“, bringt es auf den Punkt, gewiss nach einem Konzert wie dem unsrigen hier: „er (Jumppanens) versteht es, das Intellektuelle mit farbenfroher Phantasie zu einem virtuosen Feuerwerk zu kombinieren (freie Übersetzung des Autors).
Bob de Walt
Freitag, 22.04.2011
Oster-Mix
Heute lese ich, dass in Ungarn Roma's ausquartiert werden müssen, irgendwo, weil sie ihres Lebens nicht mehr sicher sind vor ungarischen Faschisten. Nur gut, dass ich keinen Flug zurück nach Berlin mit der Malev über Budapest gebucht habe, den ich, wer weiß, vielleicht nicht überlebt hätte.
Dass Assad in Syrien nun sein Notstandsregieren aufgegeben haben soll nach über 10 Jahren, das mag glauben wer will, ich nicht. Leider hat er bereits über 200 Menschen töten lassen, die gegen ihn demonstrierten. Mag nicht wissen, wie viele jeden Tag ein bisschen sterben in den Höhlen des Löwen.
Nur gut, dass in solchen Zeiten weltbewegend wichtige Dinge von Menschen ge- oder erschaffen werden, da spaziert einer sogar die Eiger-Nordwand hoch in etwas mehr als nur 2 Stunden – von erklimmen zu sprechen, wäre wahrscheinlich doch zu weit gegriffen.
Dass die so genannten Aufständischen in Libyen nun doch gerne die militärische Schlagkraft der eigentlich verhassten Westler in Anspruch nehmen würden, um den noch verhassteren Gaddafi endlich so zu erklimmen, dass er wie die Eiger-Nordwand nie wieder jemand verzaubert, lässt mich schon fast schließen, dass der Sicherheitsabstand, den die sich da irgendwo in Japan ausdachten, um explodierende Atommeiler hervorzuheben, als etwas nicht Erklimmbares, wird wohl noch so manch anderen Aktivisten, welcher Couleur auch immer, dort oder woanders noch herumstreifen lassen, um die herrschenden Zustände anzuprangern oder gar ändern zu wollen.
Und wer bitte sehr weiß denn schon, was diese herrschenden Zustände sein sollen? Dass die Türkei meint, sie wolle mit Zypern nicht an einem Tisch sitzen? Dass Westerwelle endlich kein Thema mehr ist? Dass Obama noch immer als Affe abgebildet wird? Dass es hier in Zypern an Karfreitag regnet und in Deutschland anscheinend die Leute überlegen, ob sie nicht doch in die Lanke springen zum schwimmen?
Und wo liegt oder ist doch noch mal der Wassertank Europas? Muss man wissen, liebe Leute! So geht das aber nicht, so etwas nicht zu wissen, wo doch auch schon im Norden Europas zu befürchten ist, dass die eine oder andere Wasserrevolte oder gar Krieg ums Wasser anstehen könnte.
Na, wo ist das Ding? Tschja, nun dann, also die Schweizer, die sprechen in ähnlichen Metaphern von ihren schönen Bergen oder Land, und da beschleicht mich halt schon so ein gewisser Zweifel, wenn ich heute lese, die haben dort so etwas wie Dürre. Man stelle sich vor, im Wasserspeicher Europas soll dürre herrschen, in MC-Brandenburg sollen vor nicht all zu langer Zeit gar Sandstürme getobt haben und, oh Schreck, die Formel EINS könnte sich aus der Türkei ebenso sang- und klanglos verabschieden wie das Wasser andernorts und eigentlich auch dort.
Die deutschen Kicker, die sich wohl des Ruhms und des Geldes wegen nach Real Madrid vor einiger zeit verabschiedeten, haben gestern die Trophäe nach Hause gerettet gegen Barcelona, den Erzrivalen: ein Araber und ein Türke, Deutsche. Wir Deutschen könnten vor Stolz schwelgen deretwegen, wenn bloß Stuttgart 21 nicht wäre. Weil jetzt soll auch noch der Pöbel abstimmen, und zwar darüber, ob Milliarden versenkt werden, so wie es die Bahn will oder eben anders.
Und dass ich schon bald wieder in Berlin bin, kann man nur hier erfahren, hier in diesem Blogg, weil ich habe kein Android-Phone, IPAD oder so was, die so eine Art Bewegungsprofil von mir aufzeichnen würden ungefragt. Dennoch wird mein Hier und Da gewiss nachvollziehbar sein für Interessierte Mitbürger. Glücklicherweise liegt mir nichts daran, meine Spuren zu verwischen. So lange ich in keine Hühnerställe zum Besichtigen gehen muss, oder beim Aussortieren von männlichen Küken helfen muss, die dann humanerweise vergast werden, kann ich damit leben, dass man weiß, wo ich gerade schlafe oder bin.
Hier auf der Insel, ich finde, der Eitlen und ganz besonders Tollen, sollen dieser Tage der Feiern wegen lediglich 30.000 und mehr Lämmer, Schafe, Kühe, Schweine? - also eine dieser Spezies - das Leben verlieren. Ob das viele sind, 30.000, kann wohl nur ermessen, wer dem Präsidenten der Republik zuhört, der noch immer das schon ewig andauernde Scheitern der Verhandlungen mit dem Norden der Insel demselben anlastet – auch zu Ostern. Würde ich auch tun, wenn ich mir das gerade so überlege, wo doch angeblich neuerdings nicht nur Gas vor der Küste bei Larnaka zu finden sein soll, sondern nun auch, angeblich erwiesen, wahre Goldreserven bei Sankt Nikolaos zu finden sind: "Die Mauer zu, die Grenze erst recht!" so ungefähr stand das ja schließlich auch in einem Flugblatt der ELAM, welches nicht etwa mir zugesteckt wurde, auf einer Sitzbank sitzend in Lanraka, sondern jemand neben mir mit eindeutig hellerer Haut. Hätten die gewusst, dass es sich um einen Palästinenser handelt da neben mir, hätten die ihm vielleicht eher eins in die Fresse gegeben, als ihre Wahlkampfzeug.
Ja klar hauen sich auch die Fußballfans in Zypern, noch immer, die Köpfe ein wegen dem einen oder anderen Fußballspiel. Bei der Qualität des Spiels, welches hier so geboten wird, so einen Aufwand zu betreiben, wundert mich, und dann auch wieder nicht, weil es lässt mich doch etwas verstehen, warum die Verhandlungen zwischen dem Norden und dem Süden anscheinend stocken und die Türken 1974 glaubten, einreiten zu müssen, um bis zum heutigen Tag im Norden den Ton anzugeben, die Bevölkerung dort vor noch mehr Dresche zu schützen.
Was ich noch sagen wollte: Thilo gehört doch in die SPD!
Sonntag, 03.04.2011
Kultur-Banausen zyprisch gerahmt
Trotz immenser Finanzkrise und Herabstufung durch internationale Rating Agenturen will die zyprische Regierung 200 Euro-Millionen in den Bau eines Kulturzentrum in Nikosia stecken – wir sprechen hier vom „befreiten Teil“ der Stadt dieser von Wasser, und anscheinend auch von Gasfeldern, umrahmten Insel. Es soll nebst Ausstellungs- und Tagungsräumen und einem Museum für Gegenwartskunst auch einen ebenfalls neuen Saal für Konzerte geben. Wie Ihnen gewiss geläufig ist, ist, seit das Stadttheater in Stadtmitte wegen seines eingestürzten Daches temporär nicht mehr benutzt werden kann, das Theater in einem weiteren Stadtteil namens Strovolos der einzige Ort mit großem Saal für Konzerte des befreiten Inselteils.
Schade ist nämlich unter anderem, mag ich hier kurz einfügen, dass in jenem Theater in Strovolos die Bestuhlung viel zu eng gemacht wurde, was bereits für mittelgroße Besucher spürbar eine gewisse gefühlte Unfreiheit, ja Enge, unweigerlich geradezu entstehen lässt, wie hin und wieder beklagt wird. Diejenigen mit noch längeren Beinen haben dort, denke ich, freiwillig und bezahlter Weise, wohl gewiss eine ganz besondere Art und Weise von Begrenztheit ihrer schlicht physischen Freiheit zu genießen oder erworben, die, wer weiß, ganz unwissentlich und wahrscheinlich höchst ungewollt, dem Druck entsprechen mag, welcher der mittlere Stand oder höher gern an den Rest der Gesellschaft weiter reicht, wie wohl in Parteiprogrammen oder Manifesten der derzeit regierenden schein-kommunistischen AKEL so oder ähnlich gelesen werden kann, vermute ich. Und so wird Sie womöglich pflichtbewusst wie jemand aus dem Jugendkader der AKEL zustimmend nicken lassen, verehrte Leserschaft, wenn ich schreibe, dass die Akustik des Hauses in Strovolos, sagen wir, entsprechen zu dem davor Gesagten zu wünschen übrig lässt – es muss halt auch unter regierenden Schein-Kommunisten alles in einem gewissen Rahmen sein oder bleiben.
Und ja, es stimmt, Rahmen, die kann man passend ausfüllen, aber bekanntlich auch unterschreiten oder aber überschreiten. Zum Beispiel herrscht bezeichnender Weise, wie mir scheint, die Vorliebe bei Autofahrern hier im Süden Zyperns vor, an Fußgängerübergängen gern mal mit dem Auto die Umrahmung dieses geschützen Raums für Fußgänger unbedingt zu überrollen, möglichst mit allen vier Rädern, versteht sich, dann, wenn die Ampel für Fußgänger auf Grün geschaltet ist. Derartiges Fahrverhalten bringt wahrscheinlich, dachte ich schon, eine mir noch immer nicht ganz vertraute Art Gemeinschaftsdenken - entweder insulanisch, kommunistisch oder beides - immer wieder und ständig hervor, und wohl auch daher wird der Platz hinter dem Auto, welches die Regel aus meiner Sicht wie beschrieben bricht, eben so gut wie immer von einem weiteren Auto ausgefüllt, wobei dieses dann allerdings ziemlich sicher den gesetzten Rahmen, eben den für Fußgänger, sagen wir, ganz freiheitlich mit entrahmt. Die EOKA-Kämpfer, die einst angefangen hatten, sich gegen die Briten und deren Besetzung der Insel zu wehren, gingen schließlich, anscheinend um der Freiheit willen, im Anschluss recht unsanft mit ihren türkischen Mitbürgern um, überschritten damals den Rahmen dessen, was noch akzeptabel sein kann. Doch bekanntlich sind es inzwischen die Südzyprer, die der EU beitreten konnten, trotz ihres Leugnens einer Mitschuld damals, oder gar der Hauptschuld, was sie wohl auch daher wenig bewegen wird in Zukunft, an Ampeln stehen zu bleiben, könnte vermutet werden - siehe den abgelehnten Ananplan seinerzeit oder neuerdings das Verträgeschmieden mit Israel, ohne das Einbeziehen der Türkei und anderer Anrainer, die den Rahmen ums auszubeutende Gasfeld doch wohl mit bilden, welches anscheinend wirklich vor der Insel gelegen ist.
Ja, und so ein großes tolles Projekt, wie das neue Kulturzentrum, von dem die Rede zuvor war, entrahmt gewiss so manchen finanziellen Rahm einer finanziellen Quelle, sei diese nun eine hiesige oder eben eine europäische - besser beides, stimmt‘s?
Nun wird sich der Leser fragen, was denn der Titel soll? Ganz einfach: der relativ schöne, recht große Saal da in Strovolos wird nämlich, sogar oft bei den schönsten Konzerten, nur halbvoll mit Besuchern einer Veranstaltung für klassische Musik etc. – wenn überhaupt so viele kommen, dann ist das eher selten der Fall. Wie gerade kürzlich wieder.
Werbung in der Zeitung, dass, sage und schreibe, eine der berühmtesten Sopranistinnen des lyrischen Faches, Barbara Hendricks, in Begleitung des schwedischen „Musica Vitae Chamber Orchestra“ auftreten würde, war zwar schon vorhanden. Doch dass Barbara Hendricks, die während ihrer jahrzehnte langen Karriere 14 Millionen Tonträger verkauft hat, Botschafterin der UNICEF ist und an allen vermeintlich wichtigen Opernhäusern der Welt auf der Bühne gestanden hat, dass diese Person nach Zypern kommt, hätte gern prominenter ins Bewusstsein der Insulaner gerückt werden dürfen und nicht so banausenhaft.
Ihr Konzert in Limassol besuchte ich nicht, sondern die Vorstellung in Strovolos. Das Theater dort war ungefähr zu 10% seiner Kapazität ausgelastet, also schlechtest besucht. Programme, man stelle sich vor, gab es wie unter Banausen keine im Voyee ausliegend oder zu erwerben, nirgends!!! Der Dirigent gab daher wohl netterweise anstatt die Namen von den Komponisten der gespielten Stücke bekannt. Zugegebenermaßen sang die heute 63-jährige Amerikanerin lediglich vier Arien aus Mozarts „Figaros Hochzeit“ und es konnte vernommen werden, dass sie ihren Zenit überschritten hat. Doch noch besitzt sie ihre warme ausdrucksstarke Stimme mit vollen tiefen Tönen und der Weichheit im oberen Segment, diese „Grande Dame“ . Es war, finde ich, beschämend, dass sich nicht mehr Musikliebhaber eingefunden haben!
Der Konzertabend begann mit einem der „Concerto Grosso“ von Händel, zügig und klangvoll gespielt, worauf eine beinahe romantische Komposition eines schwedischen Komponisten folgte, dessen Namen mangels Programm ich leider vergessen habe. Der erste Teil des Konzertes schloss mit den vier Arien Mozarts.
Nach der Pause dirigierte der Chef des Orchesters, nämlich der auf allen Kontinenten gefragte Christian Lindberg seine eigene Komposition namens „Kundraa“. Er begleitete sich selber auf der Posaune und sprach auch den eher konfusen Text, der in die Musik eingeflochten wurde. Sehr wirksam war das Stück, weil mit poetischen und harmonischen Tönen, dann aber auch wieder mit lauten abgehackten Tonbögen, die durchaus für Überraschung auf ihre Weise sorgten. Im Gegensatz zum Orchester, welches in der klassischen Art gekleidet war, stand der Dirigent mit eng anliegenden schwarzen Hosen und einem gemusterten Hemdsakko vor den Musikern und stach wie ein „Paradiesvogel“ gut sichtbar unter seinen Musikern hervor. Die sehr unkonventionelle Art der Kleidung scheint sein Markenzeichen zu sein, wobei ich mich frage, wie die bekannteren Orchester, die ihn als Gastdirigenten einladen, so etwas ihrem konservativen Publikum servieren? Für eine gute Überraschung wird das wohl alleweil sorgen, denke ich.
Dies war ein ganz und gar nicht langweiliger Musikabend, eher einer von höchster Qualität - und jede abwesende Person, mag ich bemerken, ist und war selber schuld, sich diesen Genuss verweigert zu haben.
Das kulturelle Leben Nikosia's hat sich über die Jahre hinweg merklich zum Besseren gewendet. Dennoch sind solche Höhepunkte weiterhin eher rar.
Bob de Walt
Montag, 14.03.2011
Poseidons Strafe, Artemis!
Vor kurzem hörte ich von einem Filmprojekt, genauer, einem Film, der, wahrscheinlich ganz so, wie es der Konsument wünscht, die Art und Weise zeigt, mit der Japaner irgendwo in einer ihrer Buchten oder vielleicht auch draußen auf dem Meer, sich an großen Meeressäugern aufs Erbärmlichste vergehen. Also ich musste mir den Film vorsichtshalber mal nicht ansehen, weil wer weiß, was das in mir wieder ausgelöst hätte – abgesehen von Abscheu und Übelkeit.
Irgendwie hatte ich immer nur so am Rande mitverfolgt die letzten 30 oder mehr Jahre, was diese Japaner denn eigentlich so treiben da auf ihrer Insel im Pazifik: Autos, Fließbänder, Fischraubbau und eben Atommeiler - ich vergaß, Züge, die schneller fahren als andere Züge irgendwo auf der Welt und Menschen, die bereits im nächsten Jahrtausend zu leben scheinen, in sozialer Kälte, wie ja unter anderem das Buch IQ84 eindrücklich frösteln lassend veranschaulicht.
Sie sehen und lesen also, das Bild über Japan und Japaner kreiert in einer Person, die sich mit dem Thema eigentlich überhaupt nicht beschäftigt hat. Doch scheine ich nicht der einzige im Norden Europas oder im Mittelmeerraum zu sein, dem so ein Bild in etwa vor Augen schwebt bei der Erwähnung von Japan und den Japanern. Na und und dann bitte sehr, gilt es, die Touristengruppen in den scheinbar uniformierten Anzügen und Kleidchen nicht zu vergessen, die aber auch immer in Gruppe sich zeigen, die durch die Gegend laufen wie Ameisen auf der Suche nach Nahrung, nach einem scheinbaren Halt.
Mich hatte im Stillen schon immer verwundert, wie diese Leute auf dieser Insel ausgerechnet so etwas wie Shiatsu entwickeln konnten. Überhaupt, scheinen die Japaner interessante Dinge entwickelt zu haben und daher hatte ich eigentlich vor bei geeigneter Finanzlage, mich mal dorthin auf den Weg zu machen – trotz meiner wirklich vorhandenen Ressentiment wegen deren Umgang mit Poseidons Familie.
Sie sollten hier angekommen wissen, liebe Leser: ich esse kein Fleisch, aber - inkonsequenter Weise - halt doch Fisch. Tunfisch, allerdings, kaufe ich schon seit Jahren nicht mehr, eben weil ich mal davon gehört habe, dass beim Fang dieser Tiere mehr oder minder ziemlich wahllos verfahren wird und mal schnell der angebliche oder wirkliche Freund der Menschen, der Delfin, in die Maschen gerät. Und ich als ehemaliger Fipperfreund Sonntagnachmittags im Fernsehen kann das selbstverständlich nicht mit unterstützen, den Fang von Delfinen.
Bei dem anderen Fisch, den ich so esse - ich gestehe -, schaffe ich es noch immer sonderbarer Weise, über dieses Manko im Umgang miteinander hinwegzusehen. Wohl auch daher habe ich mich noch nicht darüber informiert, wie genau diese Fischaufzucht vor der Küste von Zypern und anderswo im Meer eigentlich wirklich abläuft. Weil täte ich das, würde ich wahrscheinlich auch den Fischkonsum aufgeben dürfen, wie ich die 'lieben', scheinbar um ihren Nachwuchs ach so besorgten Menschen kenne - je mehr ich mir meiner Lüge hier und soeben bewusst werde, desto wahrscheinlicher, glaube ich, zeichnet sich dieser Schritt hin zur Aufgabe vom Fischverzehr jetzt ab.
Ja, es sind schlimme Bilder, Poseidon wütet gehörig um und auf der Insel, wo der ökonomische Erfolg der Umwelt ein Schnippchen schlug. Doch Poseidon lässt sich wegen so etwas seinen Frust nicht nehmen, den er wohl eben in seiner Zeiteinheit auslebt und bemisst - und ihm scheinen sich noch andere griechische Götter oder Halbgötter anzuschließen dabei, wie zum Beispiel Faistous.
Ich finde es eh ober-merkwürdig seit Jahren, dass noch niemals jemand zu Papier gebracht zu haben scheint, dass diese Beben auch durch den Raubbau der Menschen, durchs Abfüllen von zum Beispiel Erdöl sonst wo, zustande kommen. Wenn irgendwo wie verrückt irgend ein Erz abgebaut wird, muss doch die Gewichtung der Erde sich irgendwie verschieben und sich das irgendwie irgendwo und -wann mal so, mal anders bemerkbar machen. Mit welcher Dreistigkeit das einfach nicht erwähnt wird, ist, wie das Weglassen von Fußnoten andernorts – eben typisch!
Dass einige europäische Regierungen, Merkel und der auf smartmachende Andere inklusive, die Laufzeitverlängerung für Atommeiler wollen und gleichzeitig rotzfrech und dumpf bis zum Abbimmeln wissen lassen, es müsse für die Generationen danach gesorgt werden, ist unerträglich und wird gewiss Poseidonesisches auch in Europa, denke ich, schon bald mächtiger als jemals zuvor auf den Plan bringen – und sei es, in dem massiv demonstriert und so genannter Gehorsam verweigert oder die Welle anders gewestert wird. Das wäre, schaut man nach Japan, gewiss so etwas wie die Light-Variante dazu.
Japan, und das, was da gerade geschieht, sei uns Europäern ein weiteres Signal, uns, die wir dahin dösen und scheinbar wirklich nur noch größtenteils auf unseren eigenen kleinen Vorteil programmiert zu sein scheinen. Es möge uns endlich damit beschäftigen, Poseidon zu befrieden und zufrieden zu stellen – in jeder Hinsicht und auf allen Ebenen, damit Artemis sich freut.
Samstag, 26.02.2011
Pianist Grosvenor begeistert in Zypern!
Ein Beitrag von Bob de Walt:
Als vor etlichen Jahrhunderten die Dukes of Grosvenor begannen, die englische Politik maßgebend mitzugestalten, ahnte wohl keiner, dass Generationen später ein Namensvetter auf dem musikalischen Parkett weltweit für Furore sorgen wird. Nun, eine der Konzertstationen eines dieser Grosvenors, ergab sich letztens in Nikosia. Dort versetzte der noch nicht zwanzigjährige Benjamin Grosvenor ein zahlreich erschienenes Publikum mit seiner absolut stupenden Technik und Virtuosität in geradezu hellste Begeisterung.
Wieder einmal ist das Zustandekommen eines solch einmaligen Ereignisses der Pharos-Arts-Foundation zu verdanken.
Die Art und Weise der Interpretation des reichhaltigen musikalischen Programms Grosvenors war dem jungen Pianisten ein scheinbar Leichtes, geriet ihm zur Glanzleistung. Seiner offenbar völlig sicher, setzte er sich zu Beginn wie ein Großer an den Flügel, und nach einer kurzen Phase der Konzentration begann das Spiel mit unbeschreiblich erhebendem, ja, jugendlichem Enthusiasmus, der nichtsdestotrotz klar zu gestalten vermochte, was die exzellente Phraseologie, die erklang, unterstrich. Von solch einem jungen Künstler, ehrlich gesagt, hatte ich eine derartig hohe Professionalität und entsprechende Ausgewogenheit nicht mal zu erwarten gewagt. Bravo!!!
Grosvenor begann das vorzüglich gewählte Programm mit der „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin. Der Amerikaner komponierte dieses Stück bekanntlich 1924 in einem Stil, der damals noch ungewohnt, Elemente des bereits sehr beliebten Genre Jazz mit eingebunden hatte, so auch Elemente aus der romantischen Zeit, was bis dahin nicht der Fall war, ist seither, dass ein unerhörter Einsatz aller Register des Könnens auf einem Flügel abverlangt wird von einem Pianisten. Die nötige Fingerfertigkeit, gekoppelt mit komplettem körperlichem Einsatz des Pianisten, die Gershwin auch mit diesem Werk einfordert, elektrisierte erneut, diesmal in der Umsetzung Grosvenors, und das mit Bravur. Die Zuhörerschaft war, wenn ich so sagen darf, aus dem Häuschen ob der fulminanten Klangfülle.Herrlich!
Zwei Scherzos und Mazurkas von Chopin folgten daraufhin. Der weiche und doch auch wieder feste Anschlag des Pianisten bestachen von der ersten Note an. Jedes Stück, fand ich, hatte seinen Eigenwert, erinnerte zeitweise gar an polnische Volksweisen oder Tänze. Es war, als perlten die Melodien vollendet durch den Saal, die Zuhörerschaft, mich.
Ravels „Gaspard de la Nuit“ wurde von Grosvenor gekonnt mit französischem Timbre gespielt. Die drei ausgewählten Stücke „Ondine“ – der Geist des Wassers – „Der Galgen“, ein Stück melancholischen Nachtgeflüsters und „Scarbo der Zwerg“, eignen sich wohl besonders, dieses Timbre anzustimmen. Das letzte Stück, Scarbo, gelang Grosvenor wunderschön schauderhaft, mit scheinbar wirklich makaberen Tönen die da aus dem Flügel kamen.
Bei den Cançones i Dansas von Federico Mompou erklang ungewohnt sphärisch die Leichtigkeit katalanischer Volksweisen, wunderschön arrangiert war's, ja, mit geradezu fröhlichem Anschlag. Ich fühlte die Sonne der katalanischen Küste, doch auch zuweilen die Kühle der Berglandschaft Kataloniens. Die „Spanische Rhapsodie“ von Liszt bildete dann den Abschluss. Wenn mich nicht alles täuscht, wurde diese Komposition eine der populärsten von Liszt, wohl weil sie tanzbar ist und einfach elegant und brillant dem Ohr zu schmeicheln weiß. Meines Wissens sind Liszts Rhapsodien neben den Ungarischen Rhapsodien gern gespielte und gehörte „Dauerbrenner“.
Als Beigabe intonierte Grosvenor humorvoll improvisiert die „Tritsch-Tratsch Polka“ von Johann Strauss und den überaus populären Marsch Amerikas:„Stars and Stripes“. Die darauf folgende stehende Ovation des Publikums für die glänzende Darbietung war wirklich mehr als verdient. Mir schien, wir lauschten dem kommenden Pianisten-Star des 21. Jahrhunderts!
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Die internationale Kooperation, betrieben vom Pharos Trust, hat sich auch aufs Schönste im nachfolgenden Konzert ausgewirkt, von dem ich hier noch kurz berichten möchte. Das Zyprische Symphonie Orchester spielte unter der Leitung des finnischen Dirigenten Esa Heikkilä die Peer Gynt Suite No. 1, Op. 46 von Edward Grieg. Letzterer hatte ja diese Suite auf den Wunsch von Henrik Ibsen komponiert, der eines seiner Dramen damit vertonte. Die vier Sätze dieser Suite durchzieht bekanntlich ein pastorales Thema, traurige nordische Melodien mit Todessehnsucht, wo dennoch der Einsatz des ganzen Orchester's zuweilen gefordert ist.
In Edward Grieg’s Klavierkonzert in A Moll, Op. 16, brillierte ein schwedischer Pianist mit polnischen Wurzeln, Peter Jablonski, der seinen Wohnsitz in London hat. Mit ungestümen und überwältigenden Tonoktaven wechselte er gleitend zur Zartheit der lyrischen Passagen über oder mystischen Harmonien. Es war eine gelungene Fortsetzung des ersten Werkes von Grieg.
Den Abschluss bildete Jean Sibelius’s Symphonie Nr. 1 in E Moll, Op. 39. Der langsame Beginn, die Streicher, baut sich darin, wie ihnen gewiss noch in Erinnerung ist verehrte Leser, über sehr kontrastreiche lyrische Passagen allmählich bis zum ekstatischen Klimax auf, und kehrt dann wieder langsam zum Besinnlichen zurück. Das dynamische Scherzo stellt sich sodann auch gleich mit Hörnern vor und endet im letzten Satz mit eingängigen folkloristischen Elementen, welches Violinen lyrisch austangieren und das Ganze mit weichem Ton abschließen lassen. Das Symphonieorchester Zypern hat sich, wenn Sie mir eine Beurteilung zugestehen mögen, wirklich und ersichtlich eingesetzt und, wie soll ich es anders sagen, hervorragend bewährt. Wenn der Sparstift demnächst angesetzt wird auf der Insel, dann bitte nicht hier!!!!!!
Sonntag, 13.02.2011
Ägyptens Mauer fällt noch immer!
Wie schön zu sehen, finden Sie nicht, dass die deutsche Variante, genauer die ehemalig-ostdeutsche Variante, des Protests und des Regimeumsturzes sich nun doch noch in der Welt ausbreitet, nach Tunesien, Ägypten ..., wie die Welle aus dem Film die Welle, aber eben mit ganz besonders anderem, ja, schönerem Inhalt. Man wird das nun hoffentlich in Geschichtsbüchern entsprechend zu vermerken wissen und nicht alleine, wie zu meiner Zeit auf der Penne, immer und nur die französische Variante davon so toll und erstrebenswert lehren und als umstürzlerisch ansehen.
In Nikosia-Nord wird bereits, wenn auch nur schüchtern, daran oder dafür, kommt an, wie man es sehen mag, geprobt. Rannte nämlich gestern abend in eine Gruppe junger Menschen, ungefähr 30, die sich an der Girnekapi, dort im angrenzenten Pärkchen, eingefunden hatten und ein Feuerlein in einem Kübel zu brennen hatten, um den sie sich wärmend standen und tranken und redeten. Die Polizei war auch da, als Trafik Polis getarnt, genau 2 waren es lediglich. Heute abend, also Sonntag, sah ich mehr Polizisten als Aktivisten dort herumstehen, vielleicht 15, als ich so etwa um 19.30h in Richtung Grenze zum Übergang, wo das Goethinstutut ist, vorbeiging. Ich schätze mal, dass sich das Anwesenheits-Verhältnis noch zu Gunsten der Demonstrierenden, Verzeihung, Revoltierenden geändert haben dürfte - obgleich den Tag davor, wurde Punkt 23 Uhr das Revoltieren aufgegeben und man hatte offenbar den tollen Einfall, Suppe essen zu gehen. Mir hatte man davor am Feuer stehend sogar einen Schluck Rotwein ausgegeben, doch zur Suppe mitzukommen, dazu hat mich dann doch niemand eingeladen. Es ist halt eine, wie soll ich sagen, offenbar noch klientellmäßige Angelegenheit das Revolutionieren, hier, von und über die Grenze, ein von intellektuellen betriebenes Ding, die sich wohl aus Aktionsgruppen, Uni und sonst noch woher kennen, vermute ich. Von so etwas wie Revolution jedenfalls redeten die Anwesenden dort gestern abend, vielleicht nicht mit dem gebührenden Ernst, was auch immer das ist, und zwar redeten sie in genau drei Sprachen: Griechisch, Türkisch und Englisch.
Ich war ja gestern, also Samstag, noch in Famagusta gewesen, der Stadt am Meer auf der türkischen Seite, die eher in Richtung Syrien liegt, wenn ich mich da nicht täusche. Famagusta schläft noch. Die Preise sind allerdings schon recht wach-hoch auf der kleinen Touristenmeile in der Altstadt. Dort hat sich sogar ein neues Cafe aufgemacht, wo allerdings niemand drin saß, außer 2 Schnapsnasen, die ich bislang noch nicht in der Stadt gesehen habe. Unweit der ungebauten Kirche zur Moschee, in einer Klitzekleinstrasse, ist noch immer mein Stammkaffee, wo eigentlich nur sogenannt wirkliche Türkischzyprer hingehen. Deren Empfang war mal wieder recht freundlich und die Whiskyflasche, White Horse, 1l zu 26.90 TL, wie auf der Flasche stand, kreiste. Es waren genauer gesagt 2 dieser Flaschen, die in den 2 Stunden, in denen ich dort saß, von ungefähr 8 Leuten gekillt wurden. Wenn man bedenkt, dass ungefähr die Hälfte der Trinker über 65 Jahre sein dürfte, finde ich, ist das eine reife Leistung. Versteht sich, die hatten noch ein gebratenes Hähnchen anbringen lassen und, versteht sich, hatten gar keine Zeit darüber nachzudenken, was sie da so in sich reinkippen, weil das Gespräch sie wohl wie jeden Tag davontrug. Politik, wie ich vom Bartresen aus hören konnte, war auch kurzzeitig ein Thema. Scheint aber niemand so recht zu rühren, dass die Gewerkschaft den neuen Botschafter der Türkei zur Person Non-Grata ausgerufen hat. Nach den Demonstrationen, von denen hier im Blogg letztes Mal bereits gesprochen wurde in meinem Beitrag, und vor allem dem Beitrag davor, hat Ankara kurzerhand den Botschafter ausgetauscht, der mal knapp seit erst 6 Monaten im Dienst war. Teile der nordzyprischen Bevölkerung, vielleicht der größte, sprechen von einem Vali, nicht Botschafter, der ihnen da gesandt wurde. Der neue Botschafter soll auch der sein, der in Ankara im Vorfeld bereits scharf gemacht hatte und gefordert haben soll, den Zyprern endlich mal die Zügel enger anzulegen - und jetzt ist er dort der Sheriff. Die Afriakzeitung und ihr Umfeld verlangt, dass Eroglu, der Präsident, die Bestätigungsurkunde des Botschafters nicht unterschreiben soll. Außerdem wird gezürnt in der Zeitung, dass der ehemalige Präsident des Nordens der Insel, Talat, von Ankara dem neuen Botschafter zur Seite gestellt wurde, dessen Strafauftrag durchzuführen. Die 'Revolution' scheint somit offenbar unvermeidlich? Ob die Regierenden im Süden der Insel sich wirklich darüber erfreuen können, wenn Ankara und Nord-Nikosia streiten, mag ich bezweifeln.
Abends ist es noch recht kühl. Tagsüber, die Sonne, die scheint halt schon angenehm warm. Regnen, hab ich mir sagen lassen, müsse es unbedingt noch etwas. Wahrscheinlich regnet es demnächst Anordnungen aus Brüssel, weil die AKEL, die Regierungspartei im Süden der Insel, scheint ihre Ökonomie-Hausaufgaben doch nicht wie von Brüssel gewünscht, gemacht zu bekommen. Kann aber gut sein, dass ich mich täusche, und das alles keine Rolle mehr spielt, weil wie ich las in einer griechisch-zyprischen Tageszeitung vor Kurzem, liegt das größte Gasvorkommen der Welt vor Zypern - glücklich geteiltes Zypern!
Apropos geteilt: Kann es denn nicht sein, dass diese Teilung, die zwar eine Teilung ist, aber dann halt auch wieder nicht so recht als Teilung gelten kann, weil so vieles ineinander greift und dann halt doch auch wieder nicht, inzwischen als die höchste Form deutscher Unmutsäußerung, Verzeihung, revolutionären Umsturzes ohne Anwendung von Gewalt und weiteren tollen Attributen, die da stets zu Worte kommen, darstellt?
Montag, 31.01.2011
Deutsches Trio begeistert+Merkel
Ein weiterer Beitrag von Bob de Walt, mit dem ich vor Kurzem das Vergnügen hatte, zu Mittag zu essen. Er regte sich etwas darüber auf, dass nun offensichtlich doch beschlossen worden ist, wie er in der letzten Ausgabe der Cyprus Weekly gelesen hatte, dass offenbar "ein Monstrum eines Baus", ein weiterer Riesengroßsaal also, gebaut werden soll hier im Süden von Zypern. Er findet, es stünden in der Stadt, Nikosia, eh bereits mehr oder minder 2 Säle konstant leer, unbenutzt und votierte daher dafür, dass doch endlich mal jemand auf die Idee kommen sollte hier auf der Insel und an dafür zuständiger Stelle, einen richtig guten, wenn auch kleinen, Saal zu bauen, indem Kammermusik aufgefürht werden könne. Hier nun sein Beitrag:
"In den vergangenen Wochen hatten die Griechisch-Zyprioten gleich zwei Gelegenheiten, sich unbändig über Deutschland zu freuen. Die erste davon war politischer Natur, und zwar, als Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem kurzen Besuch auf der Insel eigenartigerweise den Präsidenten Christofias über den Klee lobte für sein Engagement um eine gerechte Lösung im Zypernkonflikt - und Schelte an die Türkei verteilte. Die Türkei solle sich - ausgerechnet - an ihm ein Beispiel nehmen, was sogar auf griechischer Seite bei einigen Kopfschütteln verursachte.
Weniger kontrovers als Ereignis war gewiss das Konzert des Trio Ex Aequo, (Violine, Cello, Klavier). Das Trio besteht aus Musikern, die aus Dresden und Leipzig kommen und vom Pharos Trust eingeladen worden waren. Das Publikum war zahlreich erschienen und sparte mit wohl verdientem Applaus nicht.
Der Abend begann mit Joseph Haydn’s „Trio in C Dur“, gefolgt von Ludwig van Beethoven’s „Trio in C Moll, Op. 1, Nr. 3“. Nach der Pause war dann Antonin Dvorák’s „Trio in E Moll, op. 90“ dran, welches bekanntlich rund 100 Jahre nach den beiden erst genannten komponiert worden war.
Das Haydn Trio begann auch an diesem Abend mit wuchtigem Allegro und schnell folgenden Kontrasten. Im 2. Satz wird ja das liebliche Andante von starken Akzenten unterbrochen, welches sich in eine Art Sonate und Rondo entwickelt und mit schnellem Presto ein Wechselspiel zwischen Klavier und Violine einleitet und hervorragend zu einem fulminanten Schluss auch durch dieses exzellente Trio gelangte.
Das Trio von Beethoven mit seinen vier Sätzen - ungefähr zur gleichen Zeit komponiert, wie das zuvor erwähnte Stück - zeigt sich irgendwie moderner, nämlich mit recht viel Elan, voller Rhythmik und dem speziellen Brio, welches, wie Ihnen gewiss geläufig ist, nur Beethoven hervorbrachte. Im Finale überwältigten die Musiker geradezu mit ihrer Virtuosität, mit der sie ihr Werk kunstvollst zum Ende hin Erklingen ließen.
Ganz anders präsentierte sich das Trio von Dvorák, welches bekanntlich auf ukrainischer Volksmusik basiert. Die Kombination zwischen den verschiedenen Elementen eines Klagehymnos und melancholischen slawischen Tänzen faszinierte mich besonders. Die Klage des Cello, welche in seiner sonoren Klanggebung beginnt, wurde auch diesmal meisterhaft von der Violine fortgesetzt. Im 2. Satz hat das Cello die führende Rolle eindringlich innegehabt und wechselte zwischen Tanzweisen und melancholischen Meditationen. Die weiteren Sätze waren eher streng rhythmisch gesetzt und variierten das Ganze entsprechend lebhaft. Abgeschlossen wurde mit einem überschwänglichen Bouquet verschiedenster Töne.
Das Trio, Matthias Wollong, Matthias Moosdorf und Gerald Fauth, begeisterte nicht nur mit seiner perfekten Beherrschung der Instrumente, sondern ebenso mit offensichtlichem Engagement, ja Herzblut und vermittelten dem hiesigen Publikum eindrücklich, was Kammermusik ausmacht - auf beste Art und Weise. Es war gewiss einer dieser Abende, an dem die Besucher vom mollig warmen und gutbeleuchteten Konzertsaal in die dunkle regnerische Winternacht von Nicosia traten, ins für hiesige Verhältnisse garstige Wetter, dem sie nun beschwingt durch die einmalig schön dargebotene Musik besser trotzen konnten.
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Ganz anderer Art war da leider ein für eventuell ungehobeltes Publikum gedachter Abend, an dem italienische Arien und Lieder vom zyprischen Bariton Constantinos Yiannoudes, der in den USA seiner Karriere nachgeht, dargeboten worden. Dessen Aufführung (die erste Hälfte) habe ich in Lemesos besucht. Es war vielleicht ein Liederabend, aber keiner, an dem die Schönheit und das klangvolle italienischer Musik durchzudringen vermochten. Es war - mal wieder - ein Klamauk, weil der Künstler schien sich offenbar dazu berufen, noch mit Späßen und Witzchen zwischen den Liedern aufwarten zu müssen, wohl um das Publikum zum Lachen zu bringen damit. Die mühselig geschaffene Atmosphäre der vorgetragenen Stücke wurde derart stets und immer wieder unterbrochen, radikalst ausgehebelt, durchschnitten. Darunter, wie mir schien, litt leider auch sein dunkler, eigentlich schön gefärbter und klangvoller Bariton, obgleich er öfters als so im Allgemeinen üblich die Töne eher schlecht traf damit, was Engländer ja bekanntlich trefflich „off key“ nennen. Einem derart renommierten Sänger sind Abweichungen dieser Art, finde ich, nicht wirklich zu gestatten.
Es war summasummarum ein schlechter Abend, der auch schlecht besucht war. Mir schien, das Publikum applaudierte vor allem deswegen, weil es lediglich den in den USA recht erfolgreichen Auslandzyprioten erleben wollte. Ein verpatzter Abend, was mich betrifft, einen Melomanen."
Samstag, 29.01.2011
Eigentum auf Zypern gefällig?
Gestern war es, da marschierte
die Gewerkschaft im Norden der Insel durch die Straßen. Keine Angst, den Tag
danach hat offensichtlich niemand gewagt, diese Demo mit der revolutionären
Welle kommend aus Tunesien irgendwie ernsthaft kurzzuschließen. Man begnügte
sich in der Afrika Zeitung des Nordens von Zypern damit, von einer Masse von Leuten zu sprechen, wie sie
seit dem Referendum 2004 zum Annanplan nicht mehr gesehen werden konnte im Norden.
Der Autor des Artikels strich heraus, dass es damals 2004 um ein „Ja!“ oder“
Nein!“ zu jenem Plan von Annan gegangen war. Diesmal,
schrieb er, wurde vom Anliegen her anstatt klar Stellung genommen gegen die
Besetzer des Nordens von Zypern, die Türken. (Hier ein Podcast dazu, allerdings auf Türkisch http://downloads.bbc.co.uk/podcasts/worldservice/mulakatlari/rss.xml) Ein anderer Autor der Afrika fragt darin
erneut, und das obwohl er gewarnt worden ist, solche Themen aufzugreifen: “was
um alles in der Welt hat ein Militärposten mitten in einer Stadt verloren?“ Versteht sich, er meint den Militärposten der
Türken unweit der Girnekapi von Nikosia, Lefkosia.
Die Frage von eben könnte ungefähr so erweitert werden, um
nun zum Süden rüberzuschwenken: was in der Welt wird Zeit vergeudet für Gesetzesänderungen,
wenn sich nichts ändern?
Zitat aus der Sunday Mail vom 23.01.11
„Als die Nachfrage nach Ferienwohnung in Zypern auf ihrem
Höhepunkt war, entschied sich jeder, der etwas Land besaß, ein Bauträger zu
werden - leicht Geld zu verdienen.
Ferienwohnungen wuchsen wie Pilze aus dem Boden überall auf der Insel. Die
waren finanziert von Banken, die reichlich Fonds zu verleihen hatten. Sie gaben den Bauträgern Anleihen, so auch Anleihen für Käufer und alle waren
happy für eine kleine Weile. Doch
unvermeidlicher Weise ging die Angelegenheit schief mit dem Einsetzen der
ökonomischen Krise, nämlich als die Nachfrage schwand.
Plötzlich zeigten sich alle möglichen Probleme. Tausende
Käufer waren ohne Eigentumsurkunde für das Eigentum, welches sie gekauft und vollständig
bezahlt hatten, dies, weil die Bauträger den Besitz als Sicherheit für ihr
nächstes Projekt verwendet hatten, was bedeutet, dass die Banken immer noch
Eigner sind und waren. Einige, die
schnellst möglich Kohle ziehen wollten, hatten Appartement-Blocks gebaut, ohne
alle nötigen Papiere zu haben und waren daher nicht in der Lage, die Sache von
der zuständigen Behörde absegnen zu lassen, was wiederum eine der
Vorbedingungen ist, um eine Eigentumsurkunde zu erhalten. … . Als ein Ergebnis dieser Schieflage gibt
es um die 30.000 ausländische Hausbesitzer, die keine Eigentumsurkunde haben
für ihren Besitz, der juristisch betrachtet der Bank gehört. Es gibt ebenso um die 100.000 Zyprioten ohne
eine Eigentumsurkunde, die den Sachstand offensichtlich als normale Prozedere
zu akzeptieren scheinen. Viele sehen es
gar als einen Vorteil an, da sie so keine Transfersteuer zu bezahlen haben und andere
Steuern. Für Ausländer indes ist diese Ungewissheit unerträglich, und
verständlicher Weise fühlen die sich betrogen.
Lobbyisten haben Änderungen gefordert bei der Regierung,
doch trotz bester Intention manches Ministers, konnte keine Lösung erlangt
werden, da die Banken ihre Sicherheiten für Anleihen, die sie den Bauträgern
gegeben haben, nicht aufzugeben gedenken. Die Beschwerden der Ausländer haben im Ausland durchaus Gehör gefunden.
Die Angelegenheit war bereits ein Thema im Europäischen Parlament. Das hatte
wiederum desaströse Folgen für den Ferienhausmarkt. Der rasante Fall der Verkaufszahlen kann
nicht allein der Rezession angehängt werden, der schlechte Ruf hat da auch seinen
Anteil. Der schlechte Ruf wird anhalten, lang, nachdem der ökonomische Aufschwung
stattgefunden haben wird.
Aufgrund der desperaten Situation, sollte man denken, die
Regierenden tun alles, um das angeschlagene Image Zyperns zu verarzten. Doch diese Woche hat der Beirat für
juristische Belange verlautbart, dass neue Regelungen bezüglich der
Eigentumsurkunde beabsichtigen werden, „ eine Balance zwischen dem Recht des
Käufers und des Verkäufers zu erzielen; doch ebenso wird das Recht des Hypothekengläubigers
gewahrt.“ Die Abgeordnetenkammer redet – also - davon, dass der Käufer die Bank
bezahlt, anstatt der Verkäufer eines Eigentums, welches mit einer Hypothek
belegt worden ist und eine Eigentumsurkunde ausgestellt bekam. Es ist, als hätten wir nichts aus der
Vergangenheit gelernt … .
Anstatt unsere Dinge in Ordnung zu bringen und eine Wiederholung
dieses Schlammassel zu vermeiden, schaut die Abgeordnetenkammer noch immer nach
Wegen, das ausgeleierte, diskreditierte System am Leben zu halten. Ein
vernünftiges Gesetz würde festlegen, dass sobald ein Käufer für seinen Eigentum
bezahlt, eine Eigentumsurkunde auszustellen ist. Wo das nicht der Fall wäre,
müsste der Käufer das Recht bekommen, sein Geld zurückzuerhalten und
Schadenersatz vom Verkäufer einfordern zu können. … .“
Der Autor des eben zitierten
Artikels schreibt dann noch davon, dass man diesen 130.000 Käufern vielleicht
nicht mehr helfen wird können, ihr Geld zurückzuerhalten. Doch man sollte in
Zukunft sicherstellen, dass das Gesetz, wie vorgeschlagen von ihm, geändert
wird. Auch derzeit billige Angebote auf
dem Ferienhausmarkt, die bis zu 40% und mehr tiefer sind als gewöhnlich, mögen
die Kauflust potentieller Kunden wohl eher nicht wecken vor dem juristischen Hintergrund, meint er.
Nachdem Sie das Obige gelesen haben, wird vielleicht
verständlicher, weshalb die Kuwaitis, oder waren es die Kataris, es sich gut
überlegen werden, ob sie wirklich in das Hotelprojekt unweit des Hiltons
einsteigen mit der zyprischen Regierung des Südens. Das ist ein Gelände, wo derzeit noch – mitten in der Stadt gelegen wie im Norden – ein Posten des
Militärs ist. Ich glaube, es ist dort das griechische Militär vor allem
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Zu den Verhandlungen zwischen Süden und Norden, gerade zu
Ende gegangen in Genf, versteht sich, vorerst, werde ich nichts schreiben,
außer, dass meine Einschätzungen dazu wohl bekannt sind – Geld und
Zeitverschwendung, so wie die Verhandelnden da dran gehen!
Sonntag, 23.01.2011
Türkei als Regionaler Player
Die Kurden haben nämlich ihre eigenen Vorstellungen vom Staat Türkei, und diese Vorstellungen vereinbaren sich scheinbar derzeit nicht so richtig mit denen der Regierung, der AKP. Die Regierungspartei der Türkei AKP hat eindeutig, wie alle ihre Vorgänger, aber diesmal vielleicht nicht ganz so krass, verpasst, diesen kurdischen Mitspieler im innenpolitischen Machtspiel zur Genüge zu befrieden. Der Eindruck erwächst, dass Ankara dieses Manko durch verstärkt verbesserte Beziehungen zum Iran, Syrien und auch dem Irak auszugleichen versucht – und das vielleicht sogar auch auf diese Weise bewerkstelligen kann, sei es dann auch mehr schlecht als recht. Ob das allerdings für den Gewinn der Wahlen demnächst reicht, mag dahingestellt bleiben. Das Wallstreet Journal jedenfalls spricht neurdings von Erdogan als einer Art Rockstar im Nahen und Mittleren Osten, einen solchen Nimbus nähme er dort für die Massen ein, wird geschrieben. Mag sein, aber in der Türkei schwindet seine Anhängerschaft beträchtlich, was den erhofften Wahlerfolg der AKP in Frage stellt.
Dass die Konferenz zu den Atomanlagen der Iraner in Istanbul nicht das Ergebnis zeitigte, welches sich angeblich die westlichen Mächte erhofften, war ja eh von Anfang an klar, daher schreibe ich auch von „angeblich.“ Es darf davon ausgegangen werden, dass in Istanbul eigentlich andere Dinge verhandelt wurden: wer kriegt wieviel von was? Das „was“ steht verständlicherweise für Erdöl, Gas und gewiss noch anderen Materialien und politischen Trümpfen, die hier und dort benötigt, beziehungsweise ausgespielt werden.
Dass die Türkei sich Russland mal wieder etwas mehr angenähert hat in letzter Zeit bezeugt, dass die Visumspflicht mit dem großen nahen Nachbarn aufgehoben wurde. Da kann Xrisostomos, der Erzbischof der orthodoxen Kirche hier im Süden von Zypern, noch so sehr in Moskau die Glocken läuten gehen, die Türken haben mehr zu bieten, auch wenn sie in vielleicht nicht all zu ferner Zukunft ein ernstzunehmender Rivale Moskaus werden könnten. Bekanntlich ist Russland ein BRIC-Mitglied, ein Club, in den die Türkei zu gern Einlass gewährt bekäme, viel lieber nämlich, als in die vergreist-arrogante EU. Und ja doch, die Türkei würde in die BRIC wirklich besser passen eventuell als in die EU: jung, dynamisch, in Aufbruchstimmung.
Im Jemen, gar in Albanien ist die Tunesienwelle bereits angekommen. Inwieweit diese die Türkei berührt und wie, bleibt ebenfalls abzuwarten. Sie könnte durchaus einen positiven Effekt verursachen. Ankara sollte durch ein direktes und hilfreiches Unterstützen des Neuanfangs in Tunesien wichtige Akzente setzen, diese diplomatische und medial positiv zu inszinierende Chance nicht verpassen. Letztlich hat die Türkei den Nimbus Erdogan, der ja nicht nur als Elefant im Porzellanladen herhalten braucht. Er könnte zur Festigung der Einflusssphäre Ankaras in der Region gute Dienste leisten – in Tunesien, Albanien und womöglich gar dem Jemen, wo die ersten Protestchen auf flimmern.
Doch hier noch einen Artikel des Wallstreet Journals http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704115404576096222783678968.html?mod=ITP_pageone_3
Samstag, 15.01.2011
TunesienWelle
mir gefällt die Stadt vielleicht daher erst so recht, wer weiß. Nach
kürzlichen Aufenthalten in Sansibar und Addis Abeba, finde ich, sind 3
Tage Adana mehr als verdient. Die Sonne scheint auch hier und die Leute
sind eigentlich wie immer, interessant - als wäre die Zeit stehen
geblieben ist es für mich. Und doch, es hat sich einiges geändert, gar
verbessert - die Stadt scheint noch grüner zu werden. Allerdings unmweit
vom Hilton Hotel, dort wo die Leute am Wasser leben und wohnen, wo
scheinbar Tag und Nacht neuerdings arabische Beduinenmusik lautstark
durch die Luft schwingt, sah ich doch glatt nicht nur einmal heute
nachmittag, wie Frauen mit Abfalleimern, die bis zum Rand voll waren, an
die Mauer zum Fluss gingen, und den Abfall samt der Dosen und Büchsen
darin im Fluss entsorgten. Wenig später, ungefähr an gleichem Ort, saß
sich dann ein älterer Mann mit Angelroute dorthin. Als ich bei ihm
ankam, waren schon 2 Fische in seinem Eimer. Er meinte, er wolle die
essen. Schien dann aber etwas verstimmt darüber, dass ich dazu so meine
Zweifel anbringen wollte. Eigentlich hat er ja recht, weil er muss sich
über dieses Thema gewiss schon zur Genüge gedanken gemacht haben. Und
schließlich lebt er noch immer. Er schien so um die 65 bis 70 Jahre alt
gewesen zu sein.
Ich kann nicht genau benennen, was mich an Adana immer wieder positiv
berührt. Es gibt einfach wahnsinnig viel Leben auf der Strasse, in
dieser Jahreszeit ungefähr bis 22 Uhr. Die vielen kleinen Mahalle,
Bezirkchen, die es hier gibt, bieten eine unmenge an Entdeckbarem. Es
tut sich immer wieder eine interessante Szene auf, eine schöne alte
Moschee und dergleichen meine ich damit.
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Die Ereignisse in Tunis scheinen die Menschen hier nicht sichtbar zu
rühren. Noch keine Demo, in die ich heute oder gestern gerannt wäre. Ich
bin ja in der Gegend des Seyhan Hotels und der Ulucami, versteht sich,
am und um den Kücük-Saat-Platz auch. Das ist so ungefähr mein
Stammareal.
Das Bürgermeisteramt, wenn überhaupt jemand demonstriert, demonstriet
größe und finanzkraft, weil vor dem Seyhan Hotel wurde die Strasse
komplett aufgerissen, und das, um eine Schnellfahrbahn für Autos nehme
ich an durch die Stadt zu verlegen. Ob das wirklich so nötig war, kann
ich zwar nicht abschließend beurteilen, doch nach dem, was ich in
Erinnerung habe von der Stadt und ihrer Anlage, hätte man vielleicht das
Geld dafür auch anderswo investieren können und sollen.
Wie ich in den türkischen Nachrichten höre, ist der Diktator in Tunis
also vorsichtshalber schon mal abgehauen, und zwar als die Massen sich
erhoben. Ähnliches steht wohl noch woanders an, nur die werden
voraussichtlich das Feld nicht so einfach räumen. Ich mag nun gerne
meinen Tipp dazu loswerden und schlage daher mal Ägypten und Syrien vor.
Sie werden sich vielleicht wundern, warum ich nicht auf Marokko komme?
Nun, ich denke, die Sachlage ist insbesonders in Syrien der von Tunesien
ziemlich vergleichbar: viele junge, einigermaßen gut ausgebildete
Menschen und eine politische Führung, die einfach mal gewechselt gehört -
auch wenn Assad junior noch gar nicht so lange im Office ist.
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Wie ich mitgekriegt habe, ist diese Webseite, also dieser Blogg, von der
Türkei aus nicht lesbar. Bin gespannt, ob ich diesen Beitrag dennoch
posten kann. Ansonsten muss ich es halt morgen tun, wenn ich wieder in
der so genannt freien Welt bin - wenn die mich dorthin morgen
durchlassen am Flughafen, versteht sich. Wäre recht schräg, sollte ich
noch dumme fragen zu beantworten haben irgendwo an einem Kreuz bammelnd
oder ähnlich. Wusste gar nicht, dass mein Blogg derart ernst genommen,
bzw. falsch gelesen und verstanden wird - wo doch nur Wahrheiten drin
stehen und gewisse Vermutungen angestrebt werden, die halt einfach zum
Geschäft gehören. Weil ich finde, es passiert so vieles hinter der
Kulisse, wie Wikileak ja auch bestätigt, welches man sich gar nicht
vorstellen kann, doch es existiert wirklich, passiert, so dass gewisse
Vermutungen und Hypothesen zu machen daher geradezu erfoderlich ist,
schon allein, um bei der Einen oder dem Anderen vielleicht den Ansporn,
die Idee zu erwecken, hier und dort bezüglich dieser einen oder einer
anderen Hypothese oder Vermutung mal anzufangen nachzuforschen, ob da
gar was dran sein könnte, bzw. das, was ich da so zuweilen
schlussfolgere, nicht schon längst im Gange ist.
Im Gange ist eine tiefe Verstimmung in der Türkei. Und dass Erdogan
schleunigst als Primieminister abgeschafft gehört, wie ich letztens
schrieb, erhärtet sich, wenn man bedenkt, dass auch in den türkischen
Medien dahingehend spekuliert wird. Allerdings sieht man ihn dort nicht
ans Europäische Parlament versetzt oder an die UNO als vielmehr als
neues Staatsoberhaupt der Türkei. Seinen Posten wird dann Abdullah Gül
einnehmen als Premier, der derzeit bekanntlich das Staatsoberhaupt ist.
Sollten türksiche Premiers nur 2 Amtszeiten dienen können, was ich jetzt
gerade nicht sicher weiß, muss ich zu meiner Schande gestehen, dann ist
die Frage interessant, ob Abdullah Gül dann nur 4 Jahre dran sein kann,
weil er war ja bereits schon mal Premier, wenn auch nur für eine kurze
Zeitspanne, da er, nachdem Erdogan seinen Justizfirlefanz erledigt
hatte, freiwillig für denselben den Sitz des Premiers geräumt hatte.
Wollte man böse sein, und das sind wir ja nicht, könnte man denken, der
Wechsel, von dem gerade die Rede war, spiegelt diametral in
gewisserweise die kürzlich erfolgte Freilassung der Hizbullahkämpfer in
der Türkei. Das sind genau 9 Personen gewesen. Alle sind sie, so viel
ich verstehe, überführte Mörder, und zwar solche Mörder, die im Auftrag
des Staates gemordet haben sollen, und zwar PKK-Aktivisten hatten sie
seinerzeit kaltgestellt. Da man ihnen nie den Prozess so richtig machte,
wurden sie jetzt laufen gelassen. Versteht sich, dass die sich sogleich
abgesetzt haben und zum unterschreiben auf dem nächsten Polizeiposten,
wie vereinbart und als Auflage, wenn überhaupt, dann nur einige einmal
gekommen sind - der Rest hat sich schleunigst verdünnt. Die gespenstern
jetzt also auch wieder durch die Türkei und wer weiß, welchen Auftrag
sie für wen ausführen werden diesmal.
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Dass die Zypernfrage sich noch löst demnächst, ist unwahrscheinlichst,
wie hier in diesem Blogg schon oft behauptet wurde. Nachdem Papandreu in
Erzurum von türkischer Besatzung sprach kürzlich und Merkel davon, dass
die Türken den Verhandlungsprozess mit dem Süden der zyprischen Insel
eindeutig verzögern, ja gar stören, haben nun alle Beteiligten
Gelegenheit gefunden, ihre scheinbar neuen Positionen einzunehmen, um
sich dann demnächst vor Zypern wegen einbisschen Gas oder Öl oder beidem
die Zähne zu zeigen. Da mag man gar nicht dran denken, was das noch für
lustige Zeiten dort werden. Papandreu wie auch Xristofias haben sich
schon mal vorsichtshalber Israel ins Boot geholt, um dann die
vermeintlichen Reichtümer im süd-östlichen Meer einzuheimsen. Scheiß
Spiel!
Leider scheint es daher ziemlich wahrscheinlich, dass die relativ lange
Waffenruhe im süd-östlichen Mittelmeer irgendwo, sei es in der Türkei,
Syrien, Libanon oder gar Ägypten gestört wird. Wollen wir mal hoffen,
dass die Zyprioten nicht dazu ausholen, ihre unlängst geöffneten Grenzen
wieder zuzumachen deshalb - ich gebe zu, eine ungeheuerliche
Befürchtung für die nahe Zukunft!
Lösungen, die gibt es gewiss noch. Ziemlich sicher werden sich die
ergeben, und zwar, bitte sehr, ohne Gezänk, Krieg und Tod - ganz gewiss
wird dem so sein, verehrte Leser, und somit wollen wir doch alle daran
glauben!!!
Sonntag, 09.01.2011
Am Hermannplatz verstört
Gestern Abend war es.
Nein,
eigentlich war es am Nachmittag.
Ich habe ja angeblich Alice abgemeldet, meinen Internetprovider. Daran glauben tu ich aber erst ganz wirklich, wenn die sich wirklich nicht mehr melden. Wie ich es geahnt habe, hat Alice, trotz Kündigung zum 31.12., die von ihr sogar bestätigt wird, von meinem Konto für Januar 2011 dennoch Kohle runtergeholt - so wie Jäger in Zypern zum Beispiel Vögel mit Jagdgewehren von Baumästen holen.
Ich dachte es mir bereits, dass noch irgendwas kommen wird bezüglich der Garage, die ich bei Stadt und Land gemietet habe. Es kam auch und das sogleich nach Weihnachten, noch vor Neujahr, und zwar als Zahlungsaufforderung - "was auch sonst", mögen einige gewiss denken. Ich soll eine Monatsmiete begleichen, die ausstehe. Die Miete fürs kommende halbe Jahr habe ich allerdings bereits im Voraus bezahlt.
Beim Finanzamt Neukölln, weil ich die Zimmernummer nicht mehr genau wusste, zog ich eine Nummer, um dann am Schalter gesagt zu bekommen, ich müsse - wie immer - da hinten durch den Gang, zwei Treppen nach oben, dann durch den Durchgang zum anderen Gebäude und dann wieder eine Treppe runter, um ins Zimmer Hundertundsoundsoviel zu gelangen, wo jedes Jahr mein OK abgeholt wird von mir. Das OK ist für mich das Scheinchen vom Finanzamt, welches bestätigt, dass wirklich als freiberuflicher Journalist durchs Leben geflogen wird - weil nur damit kann man den Presseausweis bei Verdi ziemlich problemlos - hoffentlich immer noch - abschießen.
Dieses Mal erlangte mich allerdings noch eine wichtige Neuigkeit im Seitenflügel des Finanzamts Neukölln, die hab ich bestimmt Westerwelle zu verdanken. Für den Wisch, von dem die Rede war, wird neuerdings eine Gebühr erhoben von 17 Euro und noch was. Versteht sich, dass ich, um den Wisch auch wirklich zu erhalten, darüberhinaus zurück an den Schalter von zuvor zu fliegen hatte im anderen Gebäude des Finanzamts. Dort hatte mir eh der Pförtner Anfang Dezember, als ich gekommen war, um schon mal die Steuerformulare für 2010 zu holen, gesagt, dass die Formulare vor März 2011 ganz gewiss nicht ausliegen werden. Ich weiß ja, dass ich in Berlin bin und die Leute entweder etwas behaupten, damit sie mal wieder was sagen dürfen oder aber sie sagen, was sie sagen aus vielleicht einer gewissen Bosheit, vor allem, so scheints, wenn es thematisch ums Einholen einer Auskunft geht. Daher sagte ich mir, gehste im neuen Jahr lieber doch noch mal selber gucken, was das Finanzamt auf den Regalen zu liegen hat, die den kleinen Vorhöfen an gewöhnlichen Vogelhäuschen durchaus gleichen. Wer weiß, sagte ich da so zu mir, ob das stimmt, was dir dieser Pförtner da als Vogelfalle stellt.
Also dort, unweit vom Pförtner, genauer im Raum nach dem des Pförtners, wo der Automat zum Nummernziehen hängt, wo ich selbstverständlich wieder eine weitere Nummer zog, versteht sich, was an jenem frühen morgen nicht mit langem Warten verbunden oder belegt war, kam ich dann mehr oder minder gleich dran dort angelangt.
Jetzt saß ich vor einem Mann. Derselbige Mann wusste letztes Mal, nämlich vor einem Jahr, als ich das Amt wegen dem Steuerausgleich betreten hatte, doch glatt, als ich immerhin nach einem Jahr wie aus dem Nichts vor ihm saß, sogar meinen Namen und meine Adresse, ohne irgendwo reingesehen zu haben. Das hat mich damals ziemlich verunsichert und erst recht beeindruckt. Diesmal sagte er aber lediglich, er könne 50 Euro Noten nicht annehmen, ohne meinen Namen zu nennen. Ginge nicht, basta! Ich solle doch zu Rewe um die Ecke gehen. Also blieb mir leider nichts anderes übrig, als dort rüber zu rutschen, kann ja nicht fliegen, und das gelang mir, ohne den Hals auf der eisglatten Strasse zu brechen.
Dann saß ich wieder im Amt, nachdem ich eine Nummer gezogen hatte, versteht sich, und zwar vor der Frau im Finanzamt, vor der ich zuerst gesessen war. Ja, ich solle mal warten, dort drüben. Nach etwas Warten erschien sie dann wirklich mit dem Wisch und ich bekam doch wirklich ohne weitere Hürden den anderen Wisch, den ich eigentlich wollte.
C. ist derjenige in Berlin, der schon seit Ewigkeiten krank ist, ein Invalide also, der auf krank macht/e. Inzwischen, vermute ich, hat ihn eventuell seine Krankennummer etwas eingeholt, wer weiß. Man kann mit gutem Gewissen behaupten, dass er an diesem Sachstand, Invalide, ziemlich mitgeholfen hat, damals: Ärzte, Bescheinigungen, etc. Jedenfalls hat er sein Ziel schon vor mehr als 10 Jahren erreicht und fliegt seither wie ein Zugvogel von der Türkei nach Berlin und zurück, brav immer hin und her.
Bei dem war ich gestern also gelandet, als ich vor der Bäckerei auftauchte in der Sonnenallee, wo er geruht des öfteren abzzusitzen wie Vögel auf Strommasten, und zwar vor der Fensterauslage der Bäckerei.
Mich verwunderte, dass er als Invalide noch immer so viel Papierkrieg hat, wie sich herausstellte. Mir hatte er mal angeboten, auch mich invalid melden zu können. Doch wenn dieser Ämterkram dann immer noch weitergeht, dann ist der Status Invalide, den C. zu offerieren hat/te, wahrscheinlich gar nicht so erstrebenswert. Mir ist dieser Status eigentlich immer nur dann erstrebenswert, fiel mir auf, wenn mit anderen Freiberuflern gejammert wird, nämlich darüber, doch besser verbeamtet geworden zu sein.
C. raucht seit 2 Jahren, sagte er, Grass. Er ist bereits Mitte 50. Das Zeug scheint niemanden im Bezirk auszulassen. Dass es jemand in diesem Alter noch erwischt diesbezüglich, verwunderte sogar mich. Damit hat C. jedenfalls den Vogel fürs erste abgeschossen bei mir.
Seine Frau, die er mal heiratete, weil er glaubte, sie liebe ihn, die hat sich halt doch nicht wie ein Vogel einsperren lassen wollen in der relativ großen Wohnung über der Sonnenallee hinterm Hermannplatz. Sie ist nach knapp 2 Jahren Ehe ausgezogen, versteht sich, nachdem sie "sicher in Deutschland" war, wie C. behauptet, und sich einigermaßen orientieren konnte - alleine. "Das Vögelchen ist ausgeflogen", sagt C. und wünscht, dass sie und ihresgleichen vom Himmel fallen mögen wie es Vögel neuerdings zu tun pflegen - er lachte begeistert, ob des 'wunderschönen' Bildes, welches er mit Worten und Gestik seiner rechten Hand formte.
Wenn mich dieser Tage noch was verstören kann, dann, dass die Vögel wirklich runter fallen, irgendwo, da draußen, irgendwie vermehrt, noch etwas weit entfernt: in den USA, Italien ...!